Line Nacht auf dein Brocken
Georgs erblickt. Sein alter treuer Scmdh MackaN ist gestorben. Endlich bricht eine gefährliche Krankheit über ihn herein. Er hofft in einem andern Klima zn gesunden: mit John Croßthwaite begiebt er sich nach Mexiko. Während der Reise schreibt er die vorliegende Autobiographie und stirbt, ohne in das Land der Freiheit den Fuß gesetzt zu haben.
(Line Nacht auf dem Brocken
s war eine unvergeßliche Schreckensnacht. Wenn es noch die Walpurgisnacht gewesen wäre, da hätte man wenigstens denken können, es wäre Hexerei im Spiele gewesen. Aber es war um Johanni. Es war eine der kürzesten Nächte des Jahres. Und doch — wie lang ist sie mir geworden! Wie das kam, das muß ich schon darum erzähleu, daß der gallige Reiseonkel aus Nr. 23 uud 24 der Grenzboten sieht, daß es auch noch Leute giebt, die nicht so reisen wie sein Berliner Kommerzienrat. Bon einem süddeutschen Kirchenfürsten, der mit seinen theologischen Anschauungen nicht recht Farbe bekennen wollte, weil er es weder mit rechts noch mit links verderben mochte, pflegte mau zu sagen, er wäre der umgekehrte Luther: „Ich kann auch anders!" Ja, es giebt noch Lente, die auch anders könuen, als der blasirte Dutzendreisende, der bloß „dagewesen" sein will.
Ich habe zum Beispiel dann und wann das Bedürfnis, auf hoher Bergesspitze einen Sonnenaufgang zu genießen. Dies Schauspiel hat ja von jeher empfindsame Gemüter angezogen und dichterische begeistert, in die Saiten zu greifen- Mancher macht sich freilich das Dichten bequem und besorgt es in Schlafrock uud Hausschuhen am Schreibtisch. Wenn dann ein solcher Dichter einmal genötigt ist, eine Nacht ans der Eisenbahn zuzubringen, und bei dieser Gelegenheit endlich einmal die Sonne aufgehen sieht, dann heißt es: „Das nlso ist der Sonnenaufgang, den ich so oft in meinen Gedichten besungen uud beschrieben habe!" Zu denen gehöre ich nicht. Damit der geneigte Leser eine gute Meinung von mir bekomme, will ich ihm zunächst ein paar andre, schönere Nächte vorführen. Und wenn es nur wegen des Kontrastes wäre.
Es war im Jahre 1861 an der „Uffart." Der Leser merkt Wohl schon, daß es in der Schweiz war. Uffart bedeutet Auffahrt, Himmelfahrt, uud wird mit möglichst langem U gesprochen, während das a so kurz ist, daß man es vor dem r kaum hört: Ufrt. Ich war damals ein junger Geselle und