Charles Kingsley als Dichter und Sozialreformer
der dem Aristophanes eignen kräftigen Ausdrucksweise ihre Turnerkünste, und Euripides läßt in seiner Andromache den Peleus zu Menelnos sprechen:
Du Feigster, feiger Eltern Sohn, du wärst ein Mann?
Gleichwie zu Männern, also spricht man wohl zu dir? ,
Der seine Gattin raube» lies; vom Phrygier
Und unverschlossen, unbewacht sein Haus verlieb,
Als walte drinnen im Gemach ein züchtig Weib,
Sie, die der Jraueu schlimmste war? Selbst weun sie will,
Kann eine Frau zu Sparta nicht enthaltsam sein,
Wo Frcmn das Haus verlassen uud mit Jünglingen —
Nachlässig offen ihr Gewand, die Hüste nackt —
In Lauf und Riugerkünsteu, unerträglich mir,
Vereint sich üben.
In dem übrigen Hellas aber, und namentlich in Athen, kann die Stellung und Lage der Frauen von der unsrer heutigen, soweit diese uoch normal ist, nicht wesentlich verschieden gewesen sein. Geht doch die Ähnlichkeit so weit, daß Emanzipativusbestrebungeu vorgekommen sein müssen, die darauf ausgingen, in einem kommunistischen Gemeinwesen das Verhältnis der Frauen zu den Männern umzukehren, wie Aristophanes in seinen tollen Ekklesiaznsen geschildert hat. Denn sollte ihm Plato, der übrigens damals seine „Republik" noch nicht geschrieben hatte, auch die Idee des Kommunismus eingegeben haben, von Weiberherrschaft hat der große Philosoph doch gewiß nichts wissen wollen; diesen Gedanken muß also der Komiker dem Leben entnommen haben, wie er ja überhaupt, der Wirkung wegen, gar nicht daran denken konnte, andre als im Leben der Gegenwart vorkommende Verhältnisse, Gedanken und Bestrebungen zu verwerten.
(Lharles Kingsley
als Dichter und Sozialreformer
von Lrnst Groth 2
hrist sein heißt Sozialist seiu, das war Kingsleys erster Grundsatz. Jede andre Auffassung des Christentums als die sozialistische ist, uach seiner Meinung, eine Lüge. Nur der in ihr steckende Sozialismus sichere der christlichen Lehre die weltbeherrschende Macht und ermögliche ihr die sittliche Erziehung uud Vervollkommnung der Menschheit. Darum fort mit dem sogenannten „Sonntagschristentum," dem Christentum der Formen, der Kultusfragen und der Doktrinen,