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Ernst Moritz Arndt und Johanna Motherby
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glaubt in den brieflichen Zeugnissen des romantischen Verhältnisses den Beweis zu finden, daß an dieser Freundschaft mit überquellender Leidenschaftkein sittlicher Makel haftet"; er wird leider erfahren, daß die gehässige Neigung den Ehrenschild großer Naturen mit Schmutz zu beWerfen, die cynische Lust au der Herabziehung alles Ungemeinen in die platte Gemeinheit und der heuchlerische Tugenddünkel, in dem sich ein Teil der heutigen Welt gefällt, die dunkeln und verfänglichen Stellen dieser Briefe ganz anders ausdeuten werden, als er. Doch meineu wir nicht, daß die Briefe felbst darum Hütten ungedruckt bleiben sollen; sie zeigen uns Arndt in hohen, verderbendrohenden Wogen, aber sie zeigen ihn auch als deu mächtigen Schwimmer, der selbst solche Wogen teilen und besiegen konnte. Die jugendlichen,rauscherigen" Abende im Hanse Wilhelm Motherbys, wie sie Arndt selbst nennt, die beiden beseligenden Monate, in denen ihn neben dem Hoffnungsrausch für das Vater­land ein Freundschafts- und Liebesrausch überkam, klangen noch jahrzehntelang in seinem Leben nach, und die Treue, mit der er die Eriunerung an die innern Erlebnisse des Winters 1813 festhielt, mit der er Johanna Motherby unter allen wechselnden Verhältnissen einen Platz in seinem Herzen und das Recht auf seine Freundschaft wahrte, sind ein feiner nnd gewinnender Zug mehr zu dem Bilde deS unvergeßlichen Mannes.

(Schluß folgt)

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Stichwahlen. Wenn ich im folgenden abermals einen Verbesserungsvorfchlag für unser Reichstagswahlrecht mache, so bin ich diesmal wenigstens in der glücklichen Lage, mich nicht erst in einer langen Einleitung über Grundsätzliches verbreiten zu müsseu. Man wird wohl eben so einig darüber sein, daß sich gegen die Stich­wahlen grundsätzlich nicht viel einwenden läßt, als darüber, daß sie in der Praxis zu einem Übel geworden find.

Mein Vorschlag ist nun der, die Stichwahl dadurch überflüssig zu machen, daß der Wähler gleich im ersten Wahlgange darüber entscheiden darf, welchem der aufgestellten Kandidaten er sein Vertrauen schenken will, wenn der zunächst von ihm gewählte nicht durchdriugeu sollte. Das ist sehr einfach in folgender Weise durchzuführen.

Jedem Wähler wird gestattet, zwei Namen auf seinen Zettel zu schreiben, von denen bei der Feststellung des Ergebnisses zunächst der erste berücksichtigt wird. Die Wahlzettel aber, die zwei Namen enthalten, werden gleich ausgesondert. Er­giebt sich nun aus den zuerst stehenden Namen für keinen Kandidaten die absolute Mehrheit, so werden die nn zweiter Stelle stehenden gleichfalls zusammengestellt,