Maßgebliches und Unmaßgebliches
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schießt, wissen unsre Leser längst; wozu also erst noch Titel aufzählen und vor Büchern warnen, die jeder Mensch, der nicht bloß zum jämmerlichsten Stundentotschlag liest, wegwirft, ehe er auf der dritten Seite angelangt ist? Wenn von Überproduktion in der Litteratur die Rede ist, sollte nie vergessen werden, daß diese Überproduktion wahrhaftig nicht in einem Überschuß schöpferischen Vermögens und poetischer Kraft ihre Ursache hat.
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Der Nord-Ostseekanal. Ein großartiges Werk, worin sich ein Stück unsers nationalen Lebens und Strebens verkörpert, und das ohne Zweifel vielen Geschlechtern unsrer Nachkommen Segen bringen wird, wirkt auf den Blick des patriotischen Beschauers gleich einer erquickenden Oase in unsrer stürmischen Wüste unfruchtbaren Parteigezttnks und einer fast nicht minder unfruchtbaren Gesetzgeberei. Daher heißen Wir eine Schrift, die uns ein solches Werk, das größte von allen, deren wir uns rühmen können, vor Augen stellt, willkommen. Wir meinen die Schrift: Der Nord-Ostseekanal. Seine Entstehungsgeschichte, sein Bau und seine Bedeutung in wirtschaftlicher und militärischer Hinsicht. Von C. Beseke. Mit drei Karten, fowie zahlreichen Skizzen, Tabellen und graphischen Darstellungen. (Kiel und Leipzig, Lipsius u. Tischer, 1893.) Besonders anziehend sind die zwei großen, klar und kräftig ausgeführten Karten, die den Nord-Ostseeverkehr und die Strandungen an der dänischen Küste darstellen.
Die Postageuteu. Der Abgeordnete von der Schuleuburg (konservativ) hat in einer Reichstagssitzung im März d. I. eine Angelegenheit zur Sprache gebracht, die allgemeines Interesse beansprucht. Sie betrifft eine wnude Seite unsrer sonst mit Recht vielgerühmten deutschen Reichspost.
Ein sehr großer Teil unsers Postbetriebes liegt in den Händen von „Postagenten," den Vorstehern der kleinen Postanstalten auf dem Platten Lande und iu den kleineu Orten. Die Zahl solcher kleinen Postanstalten, der „Postagenturen," hat sich seit einigen Jahren sehr vergrößert, sodaß sie bereits die der Postämter überholt hat.")
Eine Postagentnr hat außer dem Postagenten keinen andern Beamten, abgesehen etwa von einem Briefträger und einem oder mehreren Lnndbriefträgern. Die amtliche Stellung dieser Postngenten ist sehr eigentümlich. Ein Postagent ist — wenigstens in der Regel — von Haus aus keiu Postbeamter. Wen» irgendwo eine Postagentnr eingerichtet werden soll, so sieht sich die Postverwnltuug iu der betreffenden Ortschaft' nach einer Persönlichkeit um, die sich für die Verwaltung dieser Agentur zu eignen scheint. Geordnete Verhältnisse, gute Volksschulbilduug und eine Beschäftigung, die sich zur Not mit der eines Postagenten verträgt, z. B. die betreffende Persönlichkeit ans Haus bindet, das sind neben den sonstigen An-
*) Diese und die folgenden Angaben stützen sich namentlich auf Verhältnisse, wie sie uns in der Provinz Schleswig-Holstein bekannt geworden sind; nach der Interpellation im Reichstage darf aber angenommen werden, daß die Angaben allgemeine Giltigkeit haben. Grenzboten II 1893 60