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Z84 Schwarzes Bret

vorzutragen. Im allgemeinen baut sich diese auf Goethes Ausspruch auf:Der Held hat keinen Plan, aber das Stück ist planvvll." Aber Llluiug geht noch weiter und zeigt, wie gerade auf der Planlosigkeit des Helden der Plan des Stückes be­ruhe. Hamlet ist durchaus nicht thatenlos, aber er handelt nie nach bestimmtem Plane, sondern nach augenblicklicher Eingebung. Die Aufführung vor Claudius, die Unterschiebung des falschen Briefes, wodurch Rosenkranz uud Güldeusteru falle», die Rückkehr nach Dänemark sind Thaten, die aber ohne Hinblick auf die Rache nm König ausgeführt werde». Auch weuu Claudius zuletzt durch Hamlet fällt, so ist das keine überlegte That, sondern eine Folge augenblickliche» Antriebes. Die That wird zwar durch Hamlet ausgeführt, aber er ist kein selbstüberlegender Mensch, sondern uur Werkzeug in der Hand einer höhern Macht.

Lönings Auffassung hat etwas sehr ausprechendes und empfiehlt sich bor allen bisherigen dadurch, daß sich bei ihr die »leisten Widersprüche lösen. Wir müsse» daher sein Buch als sehr wertvoll bezeichnen; wenn es auch die Hnmletfrage nicht beschließen wird, so werden wir doch nicht viel darüber hinauskommen.

Ganz besonders freuen wir nns noch, daß das umfangreiche Buch den Be­weis liefert, daß es uoch immer idyllische Universitätsstädte giebt, wo die Rechts­lehrer »och nichts von Überbürdung mit Amtsgeschästen wissen, über die doch sonst sast liberal! geklagt wird, sondern noch Zeit finden, sich mit Dingen zu beschäftigen, die ihrem eigentliche» Gebiete feruliegen.

Schwarzes Bret

Das neue Regulativ für die sächsischen Gymnasien von 1893 hat uns mit der Wieder­einführung der Namensform Virgilius überrascht, statt der Form Bergilius, die eine Zeit lang für die allein seligmachende gegolten hat. Freilich, wer hätte anch so banausisch sein wollen, hinter der großen neuen Errungenschaft der klassischen Philologie zurückzubleiben! Heißt es doch in der Borrede einer neuernVergil"-Aus gäbe: In<lovtc>r>un noinimnn mu.- Fistollornmiius riäieul^rll oantuinaciitin, aui prasclilootam ->, xuoris »orninis VirMUns" korwiuu »d imxiis nov-n'nmcois rsrum stmtiosis «rixi sibi Iamsnt»nt»r, »rx»» msnttK tvstiinoniisciug äolsniro xudot tasästquo. Wer hätte sich da gern unter die in^istslli, diearmseligen Schulmeister" zählen lassen »vollen!

Nun eriuneru wir uns, daß, als der Vergil in die Mvde kam, eiu solcher i>mKi«toIluk> seine Armseligkeit in folgendein Leuion bewies:

Edler Dichter Virgil, wie klang dein Name sv lieblich!

Zopfige Philologie hat dich zum Wärgel entstellt. - Ja, Virginia auch, die herrliche romische Jungfrau,

Heißt Verginia jetzt; halte das Lachen, o Freund! Wrche heißt es iu Sachsen für Kirche, Mrsche für Kirsche,

Gabs bei den Römern nicht auch gröbere Sprache des Volks? Bleibet uns doch vom Halse mit eueru erbärmlichen Fünden!

Alte Namen bestehn durch der Jahrhunderte Brauch.

Sollten die armseligen ma-gistolli mit ihrer rlätnuls. oontnrakoia, am Ende Recht behalten? DeS Dichters eigne Laudsleute, die Italiener, die ihm erst vvr einigen Jahren iu seinem Geburts­ort Andes'bei Mnntua eiu Deukmal gesetzt haben, ebenso die Franzosen uud die Engländer haben sich aus die Form Bergilius überhaupt nie eingelassen; diese Schrulle ist uns Deutschen vorbehalten geblieben.

Für die Redaktion verantwortlich: Johannes Grunow in Leipzig Verlag von Fr, Will). Grunow in Leipzig Druck vou Carl Marquart iu Leipzig