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Die Zukunft der nationalliberalen Partei
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Die Zukunft der nationalliberalen Partei

ie Aussichten der nationalliberalen Partei bei »eilen Neichstags- wahlen sind wie Herr von Bennigsen eingestanden hat schlecht, »nd seine berühmte Rede hat sie nicht verbessert. Indem er der Negierung vor der Neichstagsauflvsung bange zn machen versuchte, hat er ihr gezeigt, wie sehr die von ihm ge­leitete Partei diese Auflösung zu scheuen hat, ohne daß es ihm geglückt wäre, in das wundervolle Selbstvertrauen, mit dem Graf Caprivi einem so wichtige» Ereignis entgegengeht, Bresche zn legen. Einen Nutzen für die Partei hat die Rede nicht gehabt, ebenso wenig das dem Negicrnngsentwurf so weit entgegenkommende Angebot einer Heeresverstärknng; formale Anerkennung des gut dispvnirenden Redners von feiten einiger Gegner das war alles. Es ., würde uicht schwer sein, in der Geschichte der nationalliberalen Partei während der letzten zwanzig Jahre ähnliche Erfolge zu entdecken, aber persönliche Angriffe sind nicht der Zweck dieser Zeilen; es genügt festzustellen, daß der gegenwär­tige Führer der Partei mit der gegenwärtig befolgten Politik in dem bevor­stehenden Wahlkampf eine Niederlage voraussieht.

Anch deu Geführten in der Partei scheint diese Aussicht ziemlich deutlich geworden zu sein, denn es heißt, ans einem Parteitage im Mai solle das Programm revidirt" werden, was, ms Deutsche übersetzt, bekanntlich so viel besagen will, wie daß man »icht mehr zweifelt, sich ans einem Holzwege zu befinden.

Es ist wirklich rührend, heutzutage von der Abänderung einiger Sätze in der gedruckten Parteiverfassnng eine Wirkung ans die Wähler zu erwarten. Man gehe doch einmal in eine Volksversammlnng, sei es auch eiue sozial- demokratische oder eine antisemitische: ist da schon jemals der »ationalliberalen Partei ihr Programm zum Vvrwurf gemacht worden? Man höre doch mir hin, was da gesagt wird, es klingt nicht angenehm; aber wenn man das Volk beeinflussen will, mnß man doch zuvörderst wisse», was es verlaugt. Also uicht ihr Programm hat man denationalliberalen Reichstagsmitgliedern vor­geworfen, sondern ihre Taktik: Abfall vom Programm, Nückgratlosigkeit, Schwäche gegen die Regierung, Kompromißsucht, Ansbeutung der Partcistellung für die persönlichen Zwecke' der Führer, Mißachtung der Volkswttnsche, Mangel an Fühlung mit den Wählern.

Es soll hier nicht untersucht werde», ob alle diese Vorwürfe zutreffen, denn wir möchten nicht in der Vergangenheit wühlen, sondern eine bessere Zukunft vorbereiten helfen. Nur das'zn betonen ist unerläßlich, daß das Volk mit seinem Tadel in richtigem Gefühl den wunden Punkt in dem Verhalten der Partei getroffen hat. Also wenn die leitenden Persönlichkeiten überhaupt