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Proletarierdichter und Proletarierlieder
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Die Geschichte des Ltatsrats

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Dem gebildeten Proletarier kommen mcilthnsianische Gedanken, wenn es sich für ihn um Heirat und Ehe handelt. Sie beide, Mann und Weib, würden sich wohl durchschlagen, ohne daß er seine Überzeugungen auf dem häuslichen Herde zu opfern hätte, vielmehr konnte sie sein Trost und seine Freude werden, indem sie getreulich seine Armut mit ihm teilte. Aber was soll aus den Sprößlingen eines Proletariers gutes werden? Wer verpflichtet ihn, dafür zu sorgen, daß das Getriebe der Welt znsammengehalten wird?

Und wenn der letzte Proletar auf Erden

Mit einem Fluche in die Grube fährt,

Was kümmerts ihn, wer dann die Herrn ernährt? Er fragt:Warum uns selbst erneun in armen Kindern, die man gleich uns zeitlebens schert und melkt?" Und:Wer kann uns wehren, selbst uns zu vernichten?" Ein andrer fragt:

Doch der einst sprach:Mehrt eure Zahl/'

Hat er nur zu der Menschheit Qual

Uns diesen Trieb ins Herz gegraben? Nicht als ob der Proletarier nicht ebensogut einer wahren, innigen Liebe fähig wäre, wie die Bourgeois, deren Ehen so oft bloße Geldheiraten sind. Aber ob er nuu den ernsten Schritt thut und sich fürs Leben bindet, oder nicht, er wird seiner Partei nicht untreu werden; der vermehrte Druck, der auf ihn als einem Familienhaupte lastet, führt ihn denen zu, dieBefreiung" versprechen. Wenn er das angeblichfreudlose Dasein" eines einsamen Jung­gesellen vorgezogen hat, hat er umsomehr die Möglichkeit, seinenMitbrüdern'' seine Zeit und Kraft zu widmen. Als Junggeselle kann er dem Staat erst ordentlich zu schaffen machen, kann er offner unzufrieden sein, kann erziel­bewußt" wie ein Mann kämpfen:

Du, darbcnd Arbeitsvolk, allein

Sollst all meiu Sein und Denken haben! (Schluß folgt)

Die Geschichte des Gtatsrats

von Lharlotte Niese

ls der Etatsrnt Peter Lauritzen sein Amt als Bürgermeister der Stadt Osterburg niederlegen mußte, da beschloß er nach Holstein zu ziehen. Dort, mitten im Lande und in der lieblichsten Ge­gend, lag das Städtchen, dessen Gymnasium er als Schüler be­sucht und wo es ihm immer so gut gefallen hatte. Er zog auch

deshalb hin, weil die Stadt nur wenige tausend Einwohner zählte, es also