Laiengedanken über die Steuerreform in Preußen
1. Die Ergünzungssteuer
er Berg hat gekreist und Drillinge geworfen. Die Landtagskommission schwitzt über Herrn Miquels Entwürfen, die Kom- munalvertrcter grübeln über die neuen Steuerquellen, die ihnen freundlich eröffnet sind, und der Kapitalist und Grundbesitzer schilt über die „Ergnnzungssteuer." Nicht das Mehrbluteu macht diese Steuer verhaßt, denn das Kindchen verlangt nnr eiuhalb vom Tausend, sondern die drohende neue Inquisition, nachdem kaum der Schrecken der ersten Selbsteinschätzung überwunden ist.
Die Deklaration von 1892 war ein harmloses Befühlen der Rocktaschen, uud ein geschickter Mann konnte aus diesen etwas in die Hosen hinüberretten. Herr Miquel besorgt, daß sich allzuviel geschickte Leute diese Freiheit genommen haben, und er leitet diesmal die Sonde bis an die kitzlichsten Punkte des Steuerkörpers. Der preußische Steuerzahler wird künftig wie ein nuf- geschlagnes Buch vor dem Schätzungsausschuß liegen. Auch vor dem Feinde, wenn ihn uns Gott nicht vom Halse hält. Wir selbst sind ja nach dem Militär- Wochenblatt zu schwach dazu.
Vom 1. April 1895 ab will und wird der Staat alles wissen, was du dem nennst. Ob es dir Nutzen bringt oder nicht, ist seiner Neugierde gleich- giltig. Du hast dir vielleicht ein Gärtchen angelegt, oder dir ein Erbbegräbnis bauen lassen, um einst bequem zu ruhen. Bisher konntest du dich dieser unnützen Dinge steuerfrei erfreuen. Das ist vorbei. Deine größte Sorge muß von nun au sein, ein Vermögenskataster für den Staat zu führen, damit dich der Steuerausschuß nicht unvermutet überfalle und als fahrlässigen Steuerbetrüger aus Paragraph soundsoviel entlarve.
Grcnzboten I 1893 76