Zur Jndenfrage
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zu schämen. Darum ist es falsch, wenn über den Schulmeister, der früher Svldat war, gespottet wird. Schulmeister und Soldat sind geborne Freunde, denn beide verfolgen ein großes Ziel. Daß sie entzweit sind, beruht aus Mißverständnissen. Möchten diese je eher je lieber als solche erkannt werden.
Wer diese Ausführungen liest, mag er sich nun zu denen rechnen, die wir mit dem ehrenvollen Namen „Schulmeister" bezeichnen, oder zu denen, die den Rock des Königs tragen, der frage sich, ob er nicht auch mit seinen Standesgenossen einen Teil der Schuld trägt an dein Riß, der zwischen Lehr- und Wehrstnnd besteht, und nehme sich vor, das Seine dazu zu thun, daß sich dieser Riß nicht erweitere, sondern schließe. Er dient damit dem Vaterlande.
Zur Iudenfrage
en kürzlich in diesen Blättern erschieneneu Aufsatz „Juden und Judengenossen" möchten wir noch durch einige Betrachtungen ergänzen.
Auch wir stellen die Thatsache an die Spitze, daß sich der hochachtbare nationalliberale Redner, der jüngst im preußischen Abgeordnetenhause als Betämpfer des Antisemitismus auftrat, zu dem Geständnis bequemen mußte: „Ich will nicht leugnen, daß eine gewisse Art antisemitischer Gesinnung sehr weit unter uns verbreitet ist; vielleicht in allen Parteien wird eine gewisse Abneigung gegen einzelne, besonders bei Juden wiederkehrende Eigenschaften nicht liberwunden durch unzweifelhafte Vorzüge und Tugenden." Der Redner meinte aber, daß man solche Antipathien überwinden müsse, zumal dn die Jude» alles thäten, um an ihrer Besserung mitzuwirken, sie sich auch deu Deutscheu ganz besonders angeschlossen und au deren Ehre und Ruhm mitgearbeitet haben. Ein andrer, zu den Freisinnigen gehörender Redner sagte: „Seit Moses Mendelssohns Zeit ist es das Bestreben der Juden, deutsch zu sein. Sie wollen deutsch sein und nur an ihrem Bekenntnis festhalten. Können Sie behaupten, die jüdische Religion widerspreche unsrer modernen Kultur und Sittlichkeit? Das ist unmöglich." (Wir entnehmen diese Anführungen den Berichten der Nationnlzeitnng.)
Richtig in diesen Bemerkungen ist, daß das Emporkommen der Juden, das zn ihrer heutigen Stellung geführt hat, ans der Zeit Moses Mendelssohns, d. h. aus der Periode der sogeuannten Aufklärung datirt. Durchdrungen von dem „Humanitätsprinzip," aber ohne jedes nationale Bewußt- Grenzboten I 1393 S3