Der Deutschenhaß bei unsern Nachbarn
s ist in den deutschen Zeitungen besonders in nenester Zeit sv viel vvn dem Deutschenhaß die Rede gewesen, der sich überall in Frankreich und Rußland zeigen soll, daß es der Mühe lohut, diese Behauptung einmal etwas näher zu prüfen. Wir sind zwar längst davon zurückgekommen, für solche Landsleutc Partei zu nehmen, die in Pariser Kaffeehäusern wegen allzu aufdringlicher Äußerung ihres Deutschtums unfreundliche Behandlung erfahren haben, wir ereifern nns auch nicht mehr, wenn wir lesen, daß in den westlichen Gouvernements des russische» Reichs Deutsche ausgewiesen worden sind, weil sie versäumt haben, die russische Unterthanenschaft zu erwerben; aber wir fahren ruhig fort, über Deutschenfresserei bei unsern östlichen und westlichen Nachbarn zu schimpfen, weil wir annehmen, der Deutschenhaß sei eine bei ihnen allgemein herrschende, von der Negierung geschützte, von den Gebildeten gutgeheißene und vertretene Neguug der öffentlichen Meinung. Daß wir dadurch die Kluft zwischeu uns und ihnen, die ja leider groß genug ist, und die selbst der begeistertste Kosmopolit nicht leugnen kann, nur größer und unüberwindlicher machen, daß wir durch maßlose Kritik den Nativnalhaß nur steigern, ist selbstverständlich. Aber gerade das scheint von manchen Zeitungen beabsichtigt zu werden; sie meinen erst dann echt deutsch und volkstümlich zu sein, wenn sie nach dem Beispiel gewisser frauzösischeu nnd russischen Blätter recht auf die feindlichen Nachbarn losziehn.
Es ist natürlich für den einzelnen sehr schwer, sich ein Urteil über eine Nation zu bilden. Aber ich darf vielleicht annehmen, daß die Erfahrungen, die ich in Frankreich und Rußland gesammelt habe, vvn vielen meiner Lnnds- leute bestätigt werden können. Sie würden aber gewiß znr Verbreitung einer Grciizbotcn I 18W