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Die Fehler der nationalliberalen Partei
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Die Fehler der nationalliberalen Partei

rendige Betrachtungen sind es nicht, die man augenblicklich über das Verhalten der nationalliberalen Partei anstellen muß; viel­mehr beschleichen den Vaterlandsfrennd Gefühle des Bedauerns, wenn er sieht, wie eine Partei, der das Verdienst, erfolgreich an der Errichtung des deutschen Reichs mitgearbeitet zu haben, unverkürzt bleiben mnß, langsam aber sicher dem Untergange vder dvch der Bedeutungslosigkeit entgegengeht, es müßte denn sein, daß sie nvch in letzter Stunde ans dem verderblichen Pfade umkehrte. Merkwürdigerweise zerbricht man sich im uationalliberalen Lager ganz unnütz den Kops darüber, wie die Konservativen ihr nenes Programm gestalten werden; man begegnet in der nationalliberalen Presse öfter ganz unbegründeten absprechende» Äußerungen über die Lage der konservativen Partei, während sie doch daran denken sollte, daß es im eignen Hause nvch viel schlechter bestellt ist.

Der erste Fehler der nationalliberalen Partei vvn heute ist ihr Maugel an Aufrichtigkeit, um nicht zn sagen die Heuchelei, die namentlich in einer Angelegenheit getrieben wird. Wenn die Konservativen beabsichtigen, in ihrem nenen Prvgramm Christen- und Deutschtum schärfer zu betonen und das Ein­dringen des Judentums in die maßgebenden Stellen abzuwehren, dann ge­berden sich die Natioualliberalen, als ob das ein schrecklicher Nückfall ins finsterste Mittelalter wäre, und ihre Presse trieft vvr Entrüstung; und dvch denkt man im uationalliberalen Lager genau so, man empfindet es dort genau so, daß die steigende Macht des Judentums ein Krebsschaden für das deutsche Volk ist, und man äußert sich in diesem Sinne, wenn man unter sich ist. Nach außeu hiu aber (mit alleiniger löblicher Ausnahme der sächsischen National- liberalen) verdammt man die antisemitische Bewegung, erklärt sie für eine Grenzbvte» IV 1892 44