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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

Fürst Bismarck und die neue Militärvorlage. Jeder wird mit dem größten Interesse die Ausführungen des Fürsten Bismarck gelesen haben, über die Dr. Hans Blum soeben berichtet hat. Daß ein Staatsmann von der Erfahrung, den Verbindungen und dem Geiste des Fürsten nicht gerade notwendig hat, die Akten des Auswärtigen Amtes nachzuschlagen, um die augenblickliche Lage Europas richtig zu beurteilen, versteht sich von selbst. Der ihm vou mancher Seite gemachte Vvrwurf, er rede ohne Kenntnis der Politischen Beweggründe für die Vorlage, ist also ganz hinfällig. So überzeugend nun seine Erörternugen an sich sind, so glauben wir doch, daß sie in mehreren Punkten noch kleine Ergänzungen zulasseu. Aber wir meinen, mit diesen Ergänzungen seinen eignen Sinn zu treffe». Der Fürst hat zuerst die Bedürfnisfrage geleugnet, und zwar mit dem Hinweise darauf, daß wir doch niemals imstande sein würden, die Kriegsstärke zweier Großmächte aufzuwiegen. Wir möchten hinzufügen, daß dies auch keine andre Großmacht außer Deutschland versucht, obwohl doch schließlich fast alle iu der Lage siud, unter Umständen von zwei oder mehr Seiten zugleich angegriffen zu werden. Österreich thut es nicht, während es doch 1866 gleichzeitig den Krieg au zwei Fronten zn führen hatte und in die Lage kommen kann, zugleich gegen Rußland und eine zweite Großmacht sechteu zu müssen. Auch Italien versucht es nicht, wiewohl es vielleicht noch mehr bedroht ist als Österreich. Frankreich hat zwar nur eine offne Front, muß aber doch auch darauf rechnen, es mit England auf­zunehmen. Übermächtige Koalitionen zu verhindern und uns die nötigen Bündnisse zu verschaffen, das kann niemals Aufgabe der Heeresleitung sein, das ist Sache der Diplomatie. Darnach hat Fürst Bismarck stets gehandelt, solange er im Amte war. Er hat mit bewunderungswürdiger Knust das rachedurstende Frankreich isolirt, er hat fast ein Jahrzehnt hindurch das Dreikaiserbündnis aufrecht erhalten, uud als dies nicht mehr möglich war, da ist er 1879 nach Wien gegangen uud hat deu Dreibund geschlossen, der jetzt behandelt wird, als wenn er nicht exislirtc. Und welch ein Widerspruch ist es, wenn man gleichzeitig die Armeeverstärken" und die zweijährige Dienstzeit einführen will! Haben Kaiser Wilhelm, Moltke, Roon und Bismarck selbst etwa dreißig Jahre lang für ein Schattenbild gefochten, um die dreijährige Dienstzeit zu behaupten? Unter dieser Verfassung hat sich unsre Armee in drei Kriege» bewährt wie uiemals eine in der neuern Zeit. Die drei Jahre dienenden setzen sich im wesentlichen aus zwei Klasseu zusammen. Die einen sind die, die zu langsam fassen, um iu zwei Jahren ausgebildet zu werden, dann aber im dritten Jahre die besten Soldaten werden. Die andern werden von deu Haupt- leuteu zurückbehalte», weil sie besouders tüchtig siud, um Unteroffiziere aus thuen zu niachen. Nach der Vorlage würden die Dreijährigen, wie der Fürst gesagt hat, in der That zn einer Straft'ompagnie werden. Jetzt bilden die etwa fünfund­zwanzig Dreijährigen der Kompagnie den Kern und Halt der Truppe, im Gefecht uud umnc»tlich ans Märschen, bei Strapazen u. s. f., nnd tüchtige Leute von ihnen werden oft dazu verwandt, schwerfällige Rekruten besonders vorzunehmen. Dies Element würde künftig fehlen. Diese Heeresvorlage würde also die Armee nur verschlechtern uud geradezu wie eine chronische Krankheit wirken. Man »löge doch auch bei den liberalen Parteien bedenken, daß man nicht wegen der