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Drachen gezogen hatten, mußten noch eine Weile leiden von dem Übeln Gerüche, den das Platzen des giftgeschwollenen llnticrchens verbreitet hatte.
So hatte ich mir in jener Nacht den Mythos von dem neuen Stcrnbilde des kleinen Drachen zurechtgelegt. Da trat ein Freuud zu mir, dem ich das Lichtbild zeigte und den Mythos deutete. Der aber lachte mich aus und sagte: Aber ich bitte dich, das ist ja gar kein Sternbild, es ist ja nur ein beleuchteter Papierdrache — neuestes Patent, schillert in allen Farben, ein Spielzeug für die blasirten, entnervten, skandalsüchtigen Kinder der großen Stadt. Allwöchentlich wird er angezündet und losgelassen und so mit allerlei giftigem Zierat aufgeputzt, daß er aussehen soll wie eiu wirklicher Drache. — Meinst du, daß er noch lange zu sehen sein wird? sagte ich. — Nuu, die Zukunft muß es ja wissen, wie lange er noch steigen wird.
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Neserveoffizierkasiuos. Die Absicht des Berliner Offizierkorps des Be- nrlanbtenstandes, sich in eignem Hause ein eignes Heim zu gründen, hat gewisse liberale Blätter, die sonst jeder „Gründung" zuzujubeln pflegen, mit edler Entrüstung erfüllt. Ganz besonders übel wurde vermerkt, daß das neue Kasino der „Hebung des Stcmdesbewnßtseins" dienen soll. Man könnte diese Empfindung bis zu einem gewissen Grade begreiflich finden, wenn man unter Standesbewußtsein notwendig Überhebung über gewöhnliche ziviiistische Sterbliche, die entweder gar nicht gedient oder sich doch die Offiziersepauletten nicht erdient haben, verstehen müßte. Es soll auch nicht geleugnet werden, daß unter jüngern Reserveoffizieren oder doch bei ihren Müttern, Cousinen und Tanten, hie und da eine Neigung zn dieser Art von Standesbewnßtsein besteht. Auch klagt oder spottet man nicht ganz mit Unrecht über das Umsichgreifen gewisser steifleinener militärischer Gewohnheiten in der Gesellschaft. So hat z. B. der xlnralis rnili- timis: „Gnädiges Fräulein befehlen" und: „Herr Rat haben" im Unterhnltungston wie im dienstlichen Verkehr bei den Zivilämtern seit einigen Jahren auch in Mittel- und Oberdentschland reißende Fortschritte gemacht. Das heute so tiefempfundne Bedürfnis, in jeder noch so zufälligen Gesellschaft, im Wirtshaus, im „Wagenabteil" und allerorteu jedermann mit obligatem Zusammenklappen der Stiefelabsätze zuzurufen: „Mein Name ist Müller!" mochten wir ebenfalls zu den entbehrlichen Segnungen der allgemeinen Wehrpflicht zählen. Nur soll man nicht glanben, daß über diese und manche andre kleine Sonderbarkeiten in den Reserveoffizierkasinos weniger als in andern gut bürgerlichen Kreisen gelächelt wird. Und ist denn Siandesgefühl nnr auf Kosten andrer Stände möglich? Darf man die große Masst der Reserveoffiziere wirklich für so thöricht halten, daß sie, wenn sie des Abends im eiguen Kasino sitzen, auf sich selbst, wie sie noch vor zwei Stunden waren und morgen früh wieder sein werden, mit Geringschätzung herabblicken? Die heilsame Selbstzucht, die der Reserveoffizier bei seiuem ganzen gesellschaftlichen