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Litteratur
wirklich eine große Eiche da, und nvch heute ist das alte Mustergut mit herrlichen Eichbäumen umsäumt. Hilft nichts; im Amtsstil und ans der Landkarte heißt der Ort Eicha, nnd der Schenkwirt schreibt natürlich nun auch auf sein Wirtshans- schild: Gasthof zu Eichci. Vielleicht ist er sogar schon so .gebildet," das; er blos; noch schreibt: Gasthof Eicha — das ist ja jetzt das allerfeinste, das, wie der Kvnfektivnsplunder, aus den Städten auch schon ans die Dörfer hinansdringt — Sprachkonfektion. Und ebenso heißt es natürlich nun auch Propstheida nnd Gasthof zu Propstheida, obwohl der Name uichts andres bedeutet als die Heide, die zum ehemaligen Leipziger Thomastlvster gehörte.
Litteratur
Eilglnnd. Seine Geschichte, sseiiie^ Verfassung und seines staatlichen Einrichtungen. Von »r. G, Wendt. Professor nm Realgymnasium in Homburg. Leipzig, O. R. Reisland, 18t)2
Ein sehr branchbares Bnch. Ans 38K Seiten liefert es eine kurzgefaßte Geschichte Großbritanniens und Irlands nnd giebt Auskunft über das Parlament, die Krone, die Gesellschaft, den Staatshanshalt, das Heer, die Flotte, die Rechtspflege, das Kirchen- und Unterrichtswesen nnd das Kolonialreich. Unter der Überschrift „Die Gesellschaft" werden aber leider nnr Nobilith, Gentry und die „höhern Berufsarten" behandelt; eine alle Klassen nnifassende Bernfsstatistik fehlt ebenso wie eine Anbnnslatistik, nnr über die Verteilung des Grundbesitzes werden einige Angaben gemacht. Ans die sozialen nnd wirtschaftlichen Zustände des Landes scheint also der Verfasser seineu Blick nicht gerichtet zu habeu, und daher mag es wohl mich kommen, daß an den wenigen Stellen, wo er sie streift, sein Urteil schief ausfällt. So wird z. B. die kurze Erwähnung der Arbeiterbewegung des vierzehnten Jahrhunderts mit den Worten eingeleitet: „Das Stocken des Handels infolge der Pest schnf tausende von Vagabunden und lockerte jedes Arbeitsverhältnis; vergebens erfolgten königliche Proklamationen." Vielmehr wurde die Volls- bcwegnng dadurch verursacht, daß die Verminderung der Arbeiter die Arbeit teuer machte, wogegen Regierung und Gntsbesitzer mit Mitteln, die den Arbeiterstand empörten, vergebens ankämpften. In dem kurzen Bericht über die Strafgesetze Wilhelms III. gegen die irischen Katholiken ruft der Verfasser aus: „Sie sollten aus Katholiken Protestanten werden!" O nein, das war gar nicht die Absicht des kalten Ornniers uud seiner gegeu die Religion gleichgiltigen, von Bekehrnngssncht völlig freien Räte. Im Gegenteil, gerade weil sie wußten, daß die Iren treue, oder wenn man lieber will, bigotte und fanatische Katholiken nnd darum gar nicht zu bekehren waren, schnfen sie diese Gesetze als ein Follerwerkzeng, womit den Iren nnter dem Vorivnnde der Religion jeder Schilling ihres Vermögens nnd Arbeitsverdienstes abgepreßt werden konnte. Diese Gesetze waren weiter nichts als ein Glied jenes Raubsystems, mit dem die vornehmen Engländer alle fünf Erdteile, Irland und die ärmern Klassen ihres eignen Volkes ausgeplündert und sich znr reichsten Nation der Welt gemacht haben. Der gänzliche Ausschluß des sozialen nnd wirtschaftlichen Gebietes ist ein empfindlicher Mangel des sonst vortrefflichen Buches.
Für die Redaktion verantwortlich: Johannes Grunow in Leipzig Verlag von Fr. Wilh. Gruüvw in Leipzig — Druck von Carl Marquart in Leipzig