Die Umbildung der sozialdemokratischen Partei
ie grundverkehrte Stellung, die der überwiegende Teil der uicht- sozialdemokratischen Presse gegenüber der Sozialdemokratie einnimmt, zeigt sich wohl am deutlichsten in der Art, wie sich diese Presse gegenüber den innerhalb der Svzialdemokratie hervortretenden Spaltungen verhält. Mit einem gewissen Behagen wird jeder von den Unabhängigen ins Werk gesetzte Radau, jede Äußerung, die sich gegen die „Bourgeois" gewordum Führer, gegen die Korruption und Versumpfung innerhalb der „Parteibureankratie" richtet, wiedergegeben und mit unverkennbarer Schadenfreude jedes Anzeichen erwähnt, das dafür spricht, daß das Ansehen der Führer sich mindert nnd die Massen ihnen nicht mehr so willig folgen, wie früher.
Der Gedanke, der diesem Wohlwollen für die „ehrlichen" Umsturzmänuer zu Grunde liegt, ist nicht schwer zu erraten. Wenn nur erst einmal die Parteileitung mit ihrer ganzen Organisation von den Unabhängigen über den Hansen geworfen ist, wenn den Führern die Geister über den Kopf gewachsen sind, die sie selbst gerufen haben, wenn das eingetreten ist, was man immer als das Ende vorausgesagt hat, ein Hinabgleite» der Bewegung in immer radikalere Bahnen, dann ^ so glaubt man — werde man mit der ganzen Sozialdemvkratie sehr schnell fertig werden. Wenn die Bewegung dann nicht überhaupt von selbst an ihrer eignen Maßlosigkeit und Zügellosigkeit zu Grunde gehen werde, so werde es nur der geeigneten Nachhilfe mittels Polizei- und Waffengewalt bedürfen, um sie völlig zu vernichten.
Wir könueu vor einer folchen Betrachtungsweise nur mit allem Ernste warnen. Möglich ist es ja gewiß —- wer wollte dies verkennen? —, daß die Sozialdemokratie den Weg nimmt, den die Pessimisten voraussehen, und sicher ist es auch nach unsrer Meinung, daß sie auf diesem Wege zn Grnnde Grenzbvten tV 1392 1Z