Beitrag 
Die Handelspolitik unsers Jahrhunderts :
(Schluß)
Seite
407
Einzelbild herunterladen
 

Die Frankfurter Haushaltungsschulen

früher Englands Abnehmer waren, jetzt mit diesem in der Ausfuhr konknrriren? Nur der allerbilligstc Mann wird noch etwas absetzen. Darum halten wir es eben für einen unglücklichen Gedanken, heute uoch die Existenz eines Volks auf die Exportindustrie gründen zu wolleu. Die erste Frage wird dahin be­antwortet, das; die nun einmal vorhauduen Agrarzölle als Tauschobjekte ver­wendet werden sollen. In Beziehung auf Nr. 2 antwortet er, und wir sind damit vollkommen einverstanden: eine andre Frage sei die nach der Zukunft der Landwirtschaft, eine andre die nach der Zukunft der einzelnen Wirte. Die Kleinbauern, die kein Getreide verkauften, wohl gar noch welches hinzukaufen müßten, Hütten voi? hohen Getreidepreisen keinen Vorteil, sondern unter Um­stünden Schaden. Die Magnaten seien reich genug, auf das Privilegium einer künstlichen Preiserhöhung verzichten zu können. Schwierig würde sich aller­dings bei gänzlicher Aufhebung der Zölle die Lage vieler Rittergutsbesitzer gestalten. Manche von thuen seien so wie so ans keine Weise zu halten und müßten ihrem Schicksal überlassen werden. Die noch lebensfähigen möchten sich durch eines von zwei Mitteln helfen: ihren Besitz entweder parzellenweise verkaufen oder verpachten. Die nicht überschuldeten Banern uud Großgrund­besitzer seien für den Einnahmeansfall bei Aufhebung der Getreidezölle durch Steuererleichterungen zu entschädigen; auch könne, meint Lotz, ein mäßiger Viehzvll beibehalten werden.

Im Schlußwort wiederholt Lotz die früher schou ausgesprochue Warnung an die Konservativen, mit ihren Angriffen gegen das mobile Kapital vorsichtig zu sein, da die Arbeiter, wenn einmal das Kapital überhaupt verpönt sei. vor dem in Grnnd und Boden angelegten nicht Halt machen würden, und giebt den Liberalen zu bedenken, daß sie als Förderer der Exportindustrie mir so lange am Ruder bleiben könnten, als sie bereit seien, die für die Wehrhaftigteit des Reichs notwendigen Opfer zu bringen; denn über allen wirtschaftlichen und sozialen Fragen stehe die Existenz des Vaterlandes.

Die Frankfurter Haushaltungsschulen

von Otto Kamp u Ostern 188!) wurde in dem damals leerstehenden „Russischen Hof" auf der Zeil in Frankfurt a. M. ein Abendkursus für hcmswirt- schnftlichen Unterricht eröffnet. Aber die Lehrstütte in jenem, allen Fremden bekannten Gasthanse mußte, weil es die Rcichspost- behörde ankaufte, noch vor Schluß des ersten Schuljahrs um­siedeln; sie wurde im Februar t8U0 in das Herz der Altstadt Frankfurts, an den