Mußte es so kommen?
regorovius hat durch seine Blut in Blut gemalten Schilderungen anschaulich bewiesen, wie schauerlich die Wirklichkeit wäre, in die sich das phantastische Bild des sozialistischen Zukunftsstaats umsetzen müßte. Zwar ob er auf eine nennenswerte Zahl von Sozinldemvkraten damit Eindruck gemacht hat, steht dahin. Sie sind gegen Gründe der Logik und gegen psychologische Schlußfolgerungen vorläufig noch dadurch gewappnet, daß ihnen ihr Programm einfach Glaubenssache ist. Dem „Himmel auf Erden" und Eugen Richters Zukunftsbildern gebührt aber das Verdienst, die bürgerliche Gesellschaft iu der Form des Romaus, der einzigen, in der noch an sie hinanzukommen ist, von den Ideen unterrichtet zu haben, die in den Köpfen vou Hunderttnuseuden ihrer Landsleute spukeu. Mancher Leser wird sich freilich der Unausführbarkeit dieser Ideen getrosten und damit diese selbst für abgethan halten. Andre mögen das Gruseln gelernt und sich einem hoffnungslosen Pessimismus ergeben haben. Aus Pessimistischen Kreisen stammt die Frage: „Wie kam es doch?" Stellen wir die Gegenfrage: „Mnßte es denn so kommen?"
Kein Zweifel, jeder denkende Sozialdemokrat sagt sich: die Beseitigung der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung ist nur durch Gewalt zu erreichen. Phrasen wie: der heutige Staat werde unmerklich in die sozialistische Gesellschaft hineinwachsen, eines Abends werde man sich uoch als Bourgeois zu Bett legen, um am andern Mvrgen als Genosse aufzuwachen, können nicht ernst geineint sein. Man mag sich die Widerstandsfähigkeit der heutigen Gesellschaft noch so gering, die einstige Gewalt der sozialistischen Ideen noch so groß vorstellen, niemals werden sich die Besitzenden freiwillig ihres Privateigentums beraube» lassen. Auch nicht, wenn ihnen diese Beraubung als Grenzbolen III 1892 49