Maßgebliches und Unmaßgebliches 1Z9
Wie sich unsereins auf anständige Weise in diese mit Stacheldraht nmgebne Prvfessorengesellschaft hineinstehlen kann? —
Ich hatte diese Erinnerungen gerade niedergeschrieben, als ich davon hörte, daß nächstens auch der letzte Nest des alten Leipziger Universitätsgebäudes, das Paulinum mit seinem Kreuzgange, niedergerissen werden soll. So wirst denn auch dn verschwinden, du alter Weisheitstunnel, durch den jahrhundertelang unzählige Meister und Jünger der Wissenschaft gewandelt sind, durch den wie durch einen mächtig flutenden .Kanal dein deutschen Geistesleben jahrhundertelang neue Kräfte und Säfte zugeflossen sind. Für viele bist du wohl auch eiu Kreuzgang in anderm Sinne gewesen. Wie mancher ist unter deinen Bogen mit gesenktem Haupte einher gewandelt, das Herz voll düstrer Zweifel und bittrer Enttäuschung! Aber wieviel stolze Hoffnungen, wieviel frische Jugendlust und wieviel echt deutscher Geist sind auch zwischen deinen Mnnern fast vier Jahrhunderte lang getragen wvrden! So leb denn wohl. Ich werde deiner stets gedenken, wenn auch nicht mit der hohen Glücksempfindung des Landpfarrers von Brvheutien!
Maßgebliches und Unmaßgebliches
('u vEu ut ('ONKNISS! Bei der amtlichen Bervffentlichnng der beiden Caprivi- scheu Erlasse vom 23. Mai 1890 und vom 9. Juni 1892 stehen wir vor einem voll- kmniimen Rätsel. Über die Erlasse selbst enthalten wir uns billig jedes Urteils, weil dies bei alten unabhängig deutenden Lenten sofort feststand. Aber was soll die Veröffentlichung? Glaubt man wirklich durch ein laut iu die Welt hinausgerufenes Urteil von irgend welcher Stelle aus deu Wert der Urteile des größten deutschen Staatsmanns herabsetzen oder gar vernichten zn können? Fürst Bismarck ist seiner persönlichen Bedeutung nach derselbe geblieben, der er vor dem, verhängnisvollen 18. März 1390 war; ein feindliches Urteil ändert daran gar nichts. Und mit der Veröffentlichung des zweiten Erlasses hat man ihm die urkundliche Rechtfertigung für seine scharfe Kritik der gegenwärtigen Regierung in die Hand gegeben. Das war doch Wahl nicht die Absicht. Man hüte sich, daß dnrch solche Dinge ein Gegensatz der ehrlichen Monarchischen Empfindung mit der einfachen menschlichen Empfmdnng der Dankbarkeit gegen den Mitbegründer des Reichs her- vorgernfen werde nnd gewisse noch keineswegs erstorbne, sondern nnr zurück gedrängte nnd eingeschläferte Antipathien gegen das von Berlin ausgehende neue Nahrung erhalten. Wer Ohren hat zn höre», der hört das beides schon jetzt heraus. Daher noch einmal: Okvsant cionxnls», nn ^incl ilktriimznti imps- rinnr c^piat!