Dynamit
offiziöse Presse in den letzten Tagen gethan hat, der greift Hunderttausenden deutscher Mäuner ans Herz, und der erweist der monarchischen Sache einen schlechten Dienst. Es ist ein schweres Verhängnis, daß sich die Wege des jungen Kaisers und des greisen Kanzlers geschieden haben und vielleicht haben scheiden müssen, denn ein Mann von der Bedeutung und der Vergangenheit des Fürsten Vismarck hat kaum eine andre Wahl, als der Leiter oder der Gegner der Regierung zu sein. Der Popularität des Kanzlers hat das allerdings nichts geschadet. Aber man möge sich hüten, daß das einfache Volksgefühl nicht irre werde, und daß es nicht da verletzt werde, wo es am empfindlichsten ist: in der Verehrung für seine nationalen Helden.
Dynamit
rchimedes, der große Forscher, soll bekanntlich gesagt haben, er wolle die Erde aus ihren Angeln heben, wenn man ihm einen festen Standpunkt außerhalb der Erde gebe. Nun, wenn er den festen Punkt gefunden Hütte, und wenn er darauf eine Kraft, die Erde zu bewegen, gestützt hätte, so wäre er der größte Erfinder aller Zeiten gewesen, aber — er hätte schleunigst müssen gehenkt werden. So paradox das klingt, so dürften sich doch in der gegenwärtigen Zeit der Dynamitbomben einige Leute finden, die Neigung verspürten, meine Behauptung nicht so ohne weiteres von der Hand zu weisen, sondern die nachfolgenden Gedanken ernstlich zu prüfen. Ich denke so: wenn Archimedes eine Kraft, sei es in Forin einer Maschine oder eines Sprengstoffes oder wie sonst, erfunden hätte, durch die die Erdkugel hätte aus ihrem natürlichen Laufe gebracht oder iu ihrer Gesamtheit zerstört werden können, so wäre das der gewaltigste Sieg des Menschengeistes über die Natur gewesen, der uns möglich scheint. Aber die Gefahr, daß diese Erfindung eines Tages in Wirklichkeit angewandt werden könnte, müßte dazu nötigen, daß die Erfindung samt dem Erfinder so schnell als möglich wieder aus der Welt geschafft würde. Denn vorläufig sind deren nur wenige, die ernsthaft die Selbstvernichtung des Menschengeschlechts für das Vernunftmäßige halten, und es giebt noch weniger Leute, die, obgleich sie so deuken, bereit wären, es auszuführen. Die meisten wollen weiter leben und fürchten nichts so sehr, als daß sie getötet werden, oder gar daß der letzte Tag dieser Welt herankommen könnte, und diese meisten würden einen solchen Archimedes samt seiner Erfindung mit aller Vernunft henken und vernichten.
Archimedes hat feinen Punkt zum Glück nicht gefunden; aber unser Jahrhundert ist zu Erfindungen und Entdeckungen gelangt, die mannichfache Natur-