Ohne Ideale
as sind politische Parteien? Die einen sagen, das; sie ans der Verdichtung politischer Theorien beruhten, die andern, daß sich in ihnen die Interessen der verschiednen BevölkeruugSgrnppeu abspiegelten und sich ihre parlamentarische Vertretung schafften. In Wahrheit ist das zweite die Hauptsache uud das erste nebensächlich, oder beides fällt vielmehr ün Grunde zusammen, denn die politischeu Theorien werden niemals ans der Luft gegriffen, sie sind abhängig von der Zeit nnd der Umgebung, sind die Niederschläge beider. Selbst Platvs „Staat." der so ganz auf philosophischen Konstruktionen zu beruhen scheint, wird mit seiner Herrschaft der „Philosophen," d. h. einer Aristokratie der Bildnng, wie sie der moderne Bcamtenstaat thatsächlich ist oder wenigstens sein will, nur erklärlich aus dem leidenschaftlichen Widerwillen, den der Philosoph gegen die athenische Demokratie empfand, und Roussea» hat seine grimdstürzenden Theorien aus den thatsächlichen Verhältnissen kleiner schweizerischer Demokratien abstrahirt. Jedenfalls haben bestimmte Bevölkeruugs- gruppeu niemals andern politischen Theorien gehuldigt, als solchen, die ihrem Interesse entsprachen, und praktische Bedeutung, Einfluß ans die Politik haben derartige Theorie» überhaupt kaum vor dein siebzehnten Jahrhundert gewonnen. In England verfochten die Tones das historische Königtum vvu Gottes Guadeu, das die von ihm ausgegangnen Rechte des Parlaments nach Belieben erweitern oder verringern könne. Die Tories aber waren so ziemlich gleichbedeutend mit dem kleinen Landadel, dem das Überwuchern der städtischem Gewerbe mit ihren Folgen, den fortgesetzten Handelskriegen, zuwider war, und ihre Anschauungen deckten sich mit den Bedürfnissen des Königtums, wie sie Karl der Erste auffaßte, der nicht deshalb siel, weil er Unrecht hatte, sondern deshalb Unrecht behielt, weil er fiel. Denn die englische Revolution, aus der schließ- Gttnzboten 111 189^ >