Bilder aus dem Universitätsleben
Das hohenzollernlied
anz vorn au der Deichsel hatte ich ihn kennen lernen, als wir der Minona Frieb-Blnmauer am Schauspielhanse die Pferde dom Wagen spannten und die gefeierte Künstlerin mit lautem Hallo die Charlottenstraße hinnnterzogen. Ich sehe den hagern Studenten noch vor mir, wie er, von der Deichsel des schnell geschvlmen Wagens bald nach rechts, bald nach links geschleudert, mit seinen langen Beinen wie eine Heuschrecke krenz und Pier sprang, dann aber fest zupackte und mit heransgerecktem Halse wie toll vorwärtsstürmte, bis der Wagen laut krachend gegen einen Laternenpfahl prallte. Mit der Geduld der liebenswürdigen Minona war es nun aber auch zu Ende. Sie stieg hastig ans, warf die Wageuthür klirrend zu und schritt mit der stolz abwehrenden Handbewegnng der Herzogin vou Uork davon, ohne uns auch nur eines Blickes zu würdigen.
Der Wagen blieb quer in der Straße stehen, nnd wir verliefen uns schleunigst vor den auftauchenden Nachtwächtern, da wir die Dehnbarkeit des Unfugsparagrapheu wohl kannten, und das alte deutsche Gesetz über das Deichselrecht sicher zu unsern Ungunsten ausgelegt worden Ware.
Ich hatte an jenem Abend den langen Studenten mit den tiefliegenden blauen Angen, dein magern, bartlosen Gesicht und dem langen dunkeln Haar ganz aus den Augen verloren. Erst einige Tage nach dieser verfehlten Huldigung sah ich ihn wieder, als ich von der Nniversitätsbibliothek, wo man damals außer einem unfreundlichen Worte selten etwas bekam, quer durch die Linden nach der königlichen Bibliothek eilte. Er stand neben dem Friedrichsdenkmal und schaute nnverwandt nach dein Eckfenster des alten Kaisers. Ich trat auf ihn zu; er begrüßte mich flüchtig und sagte mit strahlenden Augen: Ich glaube, er ist bei ihm. Wer? fragte ich nachlässig.
Er musterte mich halb erstaunt, halb unwillig: Bismarck ist beim Kaiser. Die Wache muß bald vorbeikommen, da werden wir sie seheu. Sageu Sie, ist es nicht eine Schande, daß ich heute an dieser Stelle ganz allein stehe und