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Der Untergang der alten Welt :
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Irrtum und Wahrheit im Pessimismus

fallende Mauer Anrelians, die von der schwachen Bevölkerung nicht mehr ver­teidigt werden konnte. Das ganze Bild ist geradezu typisch. In ansehnlichen Gebieten verschwand mit der römischen Herrschaft und Kultur auch die römische oder romanisirte Bcvölkernng und wurde durch eine germanische ersetzt: im hentigen Eugland, auf dem ganzen linken Rheinnfer bis tief nach Gallien hinein, längs der obern Donan und im Alpenlande, und wo sie sich erhielt, da wnrdc sie von starken germanischen Bestandteilen durchsetzt. Dieselbe Rolle wie im Westen Europas haben später auf der nördlichen Valkanhalbinsel die Slawen, i» Syrien, Ägypten und Nvrdufrika die Araber gespielt, nur daß diese letztern sich, der städtischen Kultur rasch anbeguemteu. Dafür verdrängten sie die bis dahin herrschende griechisch oder lateinisch redende Bevölkerung fast vollständig mit Hilfe der lange unterdrückten einheimischen semitischen, koptischen oder berberischen Stämme und zerrissen auf Jahrhunderte den Knlturznsammenhang zwischen der nördlichen nnd südlichen Küste des Mittelmeers. Die Auflösung des römischen Reichs und der Verfall der antiken Knltur war also nicht bloß eine politische, sondern vor allem eine wirtschaftlich-soziale und religiöse Um- wälznng. Christentum und Germnueutum haben sie beschleunigt, aber der Hauptsache nach ergab sie sich ans der innern Fortbildung der antiken Welt.

Wenngleich also die gegenwärtige europäische Kultur und damit kommen wir auf die am Eingänge gestellte Frage zurück wahrscheinlich einen änßern Feind, wie es die Germanen, Slawen und Araber für die Römer waren, nicht zu fürchte» hat, so wäre damit an sich die Unmöglichkeit eines tiefen Verfalls nnsrer Gesittung noch keineswegs erwiesen. Wie ein solcher etwa kommen könnte, ist hier nicht zu erörtern. Aber etwas hat sie für sich, was die antike Welt gegen sich hatte: das Christentum. Christliche Völker können nicht sterben, so lautet ein bekanntes Wort, nnd eine fast zweitausendjährige Ge­schichte hat ihm bisher Recht gegeben. Christliche Völker, ja wohl, denn das Christentum kann nicht sterben, weil es die Wahrheit nnd das Leben ist; aber wenn es in einem Volke stirbt, dann wird auch das Volk sterben.

Irrtum und Wahrheit im Pessimismus

duard von Hartmann hat eine Reihe von Anfsätzen zu einem Buche zusammengestellt, das unter dem Titel: Zur Geschichte nnd Begründung des Pessimismus (bei W. Friedrich in Leipzig) erschienen ist. Darin sondert der Verfasser seinen eignen ethisch-metaphysischen Pessimismus von allen Arten des Stimmungspessimismus so deutlich ab, daß wirklich in Zukunft niemand mehr