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Merlin
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

bolisten, Impressionisten u. s. w. ringen wieder neue Bestrebungen empor. Paul Hehse hat sie doch wohl zu erust genommen, und wenn er darüber seineu Glauben an die Möglichkeit echter Kuust im heutigen Deutschland ver­loren haben sollte, so wäre das tief zu beklagen. Ist doch Gottfried Keller, den Hehse selbst so hoch stellt, einhellig anerkannt worden, und wenn er auch schon gestorben ist, so lebt er doch viel gelesen fort in seinen Werken. So gut es in der Malerei eine Wandlung zum Bessern nach kurz vorübergehender Herrschaft des Natnralismns gegeben hat, so wird es ohne Zweifel auch in der Poesie bald zn einer erfreulichen Wendung kommen.

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Die Handelsbilanz von 1891. Das zweite Viertcljahrsheft der Deutschen Reichsstatistik bringt eine Übersicht der Wertberechnung der Ein- und Ausfuhr Deutschlands im vorigen Jahre, und die Freihandelskorrespondenz hat sich beeilt, das Material für die Blätter ihrer Partei zu verarbeiten. Die negative Bilanz ist von 834 Millionen Mark im Jahre 1890 auf 975,3 Millionen gestiegen, indem für 3175,5 Millionen Mark Waren ausgeführt, für 4150.8 Millionen Mark eingeführt wurden. Von einem Rückgänge der Ausfuhr kann man eigentlich nicht sprechen; sie hat sogar um 7,3 Millionen Doppelzentner (die Einfuhr freilich um 8,7 Millionen) zugenommen; tillein die Preise der ausgeführten Waren sind um 41/2 Prozent gesunken, wahrend der Preis der Einfuhrartikel, alle Warenarten in einander gerechnet, nur um ^ Prozent gesunken ist. Gerade der für. uns wichtigste Einfuhrartikel, für den wir 692 Millionen, 120,0 Millionen mehr als 1890, ins Ausland geschickt haben, das Getreide, hat überhaupt nicht abgeschlagen. Die Mindereinnahme fällt, wie man sich denken kann, hauptsächlich jeuen Industrien zur Last, deren Überproduktion am unvernünftigsten und wo das Arbeiterelend schon längst am größten ist! Wollen-, Baumwollen-, Seidenwaren, Kleider und Wäsche haben zusammen 154,8 Millionen weniger eingebracht als im Jahre vorher. Erfreulich ist es, daß die für Leib und Seele gesündeste Industrie, die Eisen­industrie, noch eine Zunahme von 16 Millionen Mark aufweist; aber wie lauge wird es dauern, daun wird Amerika auch keine Maschinen mehr von uns brauchen! Die Freihandelskorrespondenz bemerkt zu diesen Zahlen:Was das Schlußergebnis anlangt, so wird man heute einen Überschuß der Eiufuhr über die Ausfuhr von uahczu einer Milliarde Mark meist weit richtiger beurteilt finden, als vor zehn oder gar fünfzehn Jahren. Eine »passive« Handelsbilanz von ähnlicher Höhe wurde damals als ein nationales Unglück betrachtet, welches Auswanderung des Goldes, Verarmung uud Arbeitslosigkeit zur notwendigen Folge haben mußte." Man sieht die Sache heute ruhiger au, weil mau sich stumpfsinnig in das Elend ergeben hat. Das Gold wandert bei uns uoch uicht aus, weil der Goldabfluß für Waren durch die Zinsen so ziemlich aufgewogen wird, die uusre Kapitalisten von ausländischen Schuldnern empfangen. Aber die Verzinsung wird täglich schwieriger