Contribution 
Die Erziehung der Knaben zur praktischen Arbeit :
(Schluß)
Page
550
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

550

Was wir aber wünschen, das ist die Teilnahme und Hilfe der Lehrer­schaft. Wir halten daran fest, daß die methodisch geordnete Handarbeit ein Erziehungsmittel ist, zwar nur eins neben andern, aber doch ein solches, das unersetzlich ist. Die erziehende Handarbeit soll den Schülern nicht die Hand­griffe eines bestimmten Gewerbebetriebes übermitteln, sie soll nicht die Jugend zum Erlverb befähigen, sondern ihr Zweck liegt auf dem Gebiete der Er­ziehung. Wird aber die Handarbeit der Knaben in den Dienst der allgemeinen Bildung zum Menschen gestellt, so kann auch die Lehrerschaft nicht teilnahm­los beiseite stehen. Sie ist von Berufs wegen die Vertreterin der praktischen Erziehung, sie muß also Stellung zur Sache nehmen. Will sie ihren Einfluß auf die Gestaltung des Erziehungsweseus nicht gefährden, so darf sie die weitere methodische Ausbildung und die Fruchtbarmachung dieses wichtigen nnd so energisch sich entwickelnden Erziehungsmittels nicht ausschließlich den uichtpüdagogischen Kreisen überlassen. Es ist ja nicht die Frage für die Lehrerschaft, ob der Arbeitsunterricht sein oder nicht sein soll; die Bewegung ist da und wächst sichtlich. Es fragt sich nur, ob sie sich mit oder ohne die Lehrerschaft vollziehen soll, und da, meine ich, müßte sich die Lehrerschaft an die Spitze stellen. Sie sollte sich nicht nur überhaupt beteiligen, sondern ge­rade jetzt vor allem, wo sich die Sache orgauisirt. Sie sollte es auf Gruud ihrer pädagogischen Vorbildung als eine Ehrenpflicht für sich beansprnchen, an der weitern Ausbildung der Methode teilzunehmen, damit der pädago­gische Grundgedanke festgehalten und nicht materielle Gesichtspunkte in die Erziehung hineingetragen werden. Die meisten Gegner des Handfertigkeits- nnterrichts unter den Lehrern, dies sei offen ausgesprochen, verwerfen ihn nicht aus der Überzeugung, die sich auf die Erfahrung gründet, sondern wie sie meist sagengrundsätzlich," d. h. ohne wirkliche Kenntnis der Sache. Wie oft habe ich auf die Frage an die Richter über die wichtige Angelegenheit, ob sie bereits eine Schülerwerkstatt betreten und die Knaben bei der Arbeit beobachtet hätten, die Antwort bekommen, daß dies zwar nicht der Fall sei, es sei aber auch gar nicht nötig, denn die Sache sei grundsätzlich zu ver­werfe». Das erinnert mich dann immer an den Sprnch des Patriarchen im Nathan.

Man darf doch verlangen, daß das in ernster Angelegenheit gefällte, vernichtende Urteil auf gründlicher Sachkenntnis beruhe. Dann verlangen wir aber auch, daß unsre Gegner konsequent seien, daß sie mit all den großen Männern, deren Namen die Geschichte der Pädagogik kennt, abrechnen und auch sie des Irrtums zeiheu. Amos Comenius und Locke, Rousseau und Pestalozzi, Fröbel und Herbart, sie alle und noch viele andre haben die Wich­tigkeit der Handarbeit für das Gelingen der Erziehung anerkannt und sie unter die Erziehungsmittel eingereiht. Es gilt nicht bloß in Worten die Führer der Pädagogik zu feiern, sondern in Thaten ihnen nachzuleben. Ferner fordern