Der Junker Bismarck
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Humanitätsbegriff einer harten Prüfung unterwerfen. Wir fagen nicht die Humanität, soudern den Humanitütsbegriff, weil unter dem glänzenden Schilde dieses Begriffs seit hundert Jahren die schändlichsten UnMenschlichkeiten verübt werden, und zwar zu einem viel niedrigern Zweck, als die Erhaltung der europäischen Kultur sein würde, nämlich zur Befriedigung der Habsucht und niedriger Gelüste einzelner.
Außer der Humanität würde in diesem Fall allerdings auch das Christentum ins Gedränge geraten. Doch wir haben bereits gesehen, daß das Christentum, wenn anch das höchste, so doch nicht das einzige Kulturelement ist und daher zu keiner Zeit für sich allein den Gang und die Entscheidungen der Weltgeschichte zu bestimmen hat. Schmerzliche Gewissens- und Herzenskonflikte, gleich dem iu diesem möglichen Falle bevvrsteheudeu, bleiben dem srommen Christen zu keiner Zeit erspart. Indes das ist eine vorzeitige Sorge, vorläufig sind wir noch nicht so weit. Zur Lösnng der oben bezeichneten nächsten Aufgabe aber, das sei zum Schlüsse noch bemerkt, ist kein Volk so augeu- scheinlich berufen wie das deutsche, weil keins über eine gleiche Fülle geistiger uud körperliche Kraft und im Verhältnis zu seiner Seelenzahl immer noch erfreulicher leiblicher nnd sittlicher Gesundheit verfügt. Ewige Schmach würde es treffe«, wenn es, der ihm winkenden großen Zukunft die Augen blöde verschließend, jene Schätze in dem kleinlichen Gezänk einer von der Hand in den Mnud lebenden, von engherzigem Klasseuiutercsse geleiteten Parteipolitik verzettelte.
Der Junker Bismarck
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oeben ist der erste Band eiuer neuen „historisch-kritischen" Ausgabe der Reden des Fürsten Bismarck in einer der Sache würdigen, vorzüglichen Ausstattung erschienen.") Sind sie auch schon mehrfach vollständig oder in Auswahl veröffentlicht worden, so hat es doch diesen Sammlungen bisher nicht nur an der kritischen Genauigkeit gefehlt, sondern noch mehr an den für das volle Verständnis not-
") Die politischen Reden des Fürsten Bismarck. Historisch-kritische Gesamtausgabe besorgt von Horst Kohl. Erster Band: Die Reden des Abgeordneten von Bis- marck-Schönhansen im Vereinigten Landtage, im deutschen Parlament zu Erfurt uud in der zweiten Kammer des preußischen Landtags 1347 — 1852. Mit einem Porträt des Fürsten nach Franz von Leuvach. Stuttgart, 1892, I, G. Cott-ische Buchhandlung. XII nnd 430 Seiten.