Maßgebliches und Unmaßgebliches
System Raiffeisen und System Schulze. Eine Flugschrift empfiehlt den ostprenszischen Banern die Darlehnslassen mich dem System Raiffeisen und mahnt die evangelischen Geistlichen der Provinz, sich das Beispiel der katholischen Geistlichkeit des Ermelandes zu Herzen zu nehmen, die schon eine bedeutende Anzahl solcher Kassen gegründet habe. Erschreckt durch die drohende Schädigung des Geschäfts, schlägt ein Vertreter des kleinbürgerlichen Kapitals Lärm im Berliner Tageblatt und sucht den Bauern das System Naiffeiseu zu verekeln, indem er die Dnrlehnskassenbewegung als eine verwerfliche Kriegslist kirchlicher Herrschsucht darstellt, mit dem Scheine eines spöttisch-mitleidigen Seitenblicks auf die Ungeschicklichkeit der evangelischen Geistlichkeit, die es nur nicht erst versuchen möge nachzuthun, da sie es ja doch nicht fertig kriege. Am Schluß heißt es: „Die Liberalen aber sehen diesem erbanlichen Treiben solcher nneigennützigen geistlichen Mitarbeiter an der Lösung der sozialen Frage mit einem gewissen Behagen zu, denn nur sie allein vermögen auf den einzigen uneigennützigen Mitarbeiter an der sozialen Frage hinzuweisen, auf den unvergeßlichen und nnvergleichlichen Schnlze- Delitzsch, der aus ihren Reihen hervorging. An die Selbstlosigkeit dieser freiheitlich gesinnten Vvlksmänner reicht weder die kluge katholische noch die wenig geschickte protestantische Geistlichkeit heran n. s. w." Die Sache ist ungeheuer wichtig. Für heute bemerken Wir darüber nur ganz kurz: 1. daß das Genossenschaftswesen nicht deutschen souderu englischen Ursprungs ist, uud daß lange vor Schnlze - Delitzsch V. A. Huber mit Nachdruck darauf hiugewiesen hat; 2. daß in Deutschland Raiffeisen nnd Schulze mit ihren Schöpfungen ungefähr gleichzeitig hervorgetreten sind, und daß vr. Stöger (Schmollers Jahrbücher S. 841) die Priorität Naiffeisens für erwiesen hält; 3. daß die Rniffeisenkassen die christliche Nächstenliebe, Schnlzes Vvrschnßvereine aber die Selbstsucht zur Grundlage wählen, und daß die Thätigkeit beider den grundsätzlichem Unterschied deutlich ausprägt, indem die Schulzischen ihren Teilnehmern einen hohen, die Raiffeisenscheu gar keinen Geschäftsgcwinn abwerfen;
4. daß ja Schulze-Delitzsch und so mancher Gründer von Vorschußvereinen ein uueigennütziger Maun gewesen sein mag, daß aber ohne die Lockspeise hoher Dividenden die ganze deutsche GeUosseuschaftsbeweguug ins Wasser gefallen sein würde;
5. daß es ebeuso albern als nnvcrschäint ist, die „freiheitlich gesinnten Volksmänner" als erhabne Vorbilder der Selbstlosigkeit zu verhimmeln, an die weder die katholische noch die evangelische Geistlichkeit hinanreichen, da die Geistlichen beider Konfessionen von Darlehnskasseu nnd andern Vereinsgründnngen nicht einen Pfennig Profit haben, während man auch den besten unter den „freiheitlich gesinnten Vvltsmännern" buchmäßig nachweisen kann, wie viel sie an den Vvrschnßvereinen verdienen; 6. daß nach dem Urteil vieler Sachverständigen und nach unsern persönlichen Erfahrungen die Vvrschußvereine viele tausend kleine Lente dnrch Bürgschaften und überhohe Zinse» zu Grunde gerichtet und deren Vermögen in die Tasche ihrer Mitglieder geleitet haben, uud daß sie uur solchen Geschäftsleuten wirkliche Dienste erweisen, die — dieser Dienste nicht bedürfen, weil sie kreditwürdig genug sind, in jeder soliden Bank Geld geliehen zu erhalten; 7. daß vollends in Italien die nach dem Muster unsrer Vorschußvereiue eingerichteten ,,Bvlksbanken" reine Halsabschneider- gesellschnften sind; 8. daß uach dem übereinstimmenden Urteil aller Vertrauens-