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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Litteratur

Und eine Reaktion, von der etwas gelernt werden kann! Hätten wir plötzlich von Staatswegen eine halbe Stunde nach der Uhr früher aufstehen sollen, v, wie würden wir uns gewehrt, wie würden wir protestirt und die Presse zumOrgan" unsrer Entrüstung gemacht haben. Aber einfach eines schönen Tages die Uhr vor­gerückt, und Friede waltet überall!

Litteratur

Clemens Brentanos Frühlingskranz ans Jugendbriefen von ihm geflochten, wie er selbst schriftlich verlangte. Berlin, Wilhelm Hertz (Bessersche Buchhandlung), 1891

Dies Buch mit dem nicht sehr geschmackvollem Titel (Clemens Brentanos Arühlingskranz. Aus Jugendbriefen" würde vollauf genügt und das Vorwort alles weitre überuommcu haben) hat einen reichen und eigentümlichen Inhalt. Es sind Briefe, die Clemens Brentano in den Jahren 1803 bis 1808 mit seiner Schwester Bettina der nachmaligen Bettina von Aruim gewechselt uud die diese dauu iu ihrer phnntasievoll-willkürlichen Art 1844 zu einem Bnche verarbeitet hat, das dem zwei Jahre zuvor geschiednen Bruder zu einem Denkmal dienen sollte. Der poetische Grundzug uud Grnndton, nach dem sich diese redigirteu Briefe halb wie romantische Novellen, halb wie Lyrik iu Streckversen lesen, mag den Originalbriefen ähnlich und beinahe gleich sein (der neue Herausgeber des Buches, Rciuhold Steig, versichert wenigstens, daß er das Original eines der wichtigsten Briefe gelesen habe, und daß in der gedruckten Wiedergabe kaum ein Wort verändert sei) dennoch wird man die Aufzeichnungen des Fruhliugs- tranzes nicht sowohl für unmittelbare Zeugnisse, als vielmehr für lebendige Er­innerungen ans der Zeit der Romantik ansehen müssen. Nicht nur die Stimmnugen, die Clemens Breutano und seine zehu Jahre jüngere Schwester wirklich gehabt haben, sondern auch die, die sie gern gehabt hätten, nicht nur die Erlebnisse, sondern auch die Phantasien der Geschwister Brcutauv gewinnen hier Gestalt. Bettina ist offenbar bemüht gewesen, die Briefe zn einer Art Roman umzubilden, uud sie wird dafür ihre Erfindungskraft nicht wesentlich haben anstrengen müssen. Man spürt, daß dem Ganzen Eindrücke, Schilderungen, Gefühlsäußerungen zu Gründe liegen, die eben nur in dem ersten Jahrzehnt unsers Jahrhunderts, nur iu den LebenStreisen der Rvmautiker möglich waren. Phantasiesprünge, die Brentanos Märcheu, Naturbilder, die Eicheudvrsfs Novelle», Genreszeuen, die Tiecks satirischen Komödien und Reflexionen, die Schleiermachers Erstlingsschriftcn anzugehören scheinen, begegnen uns fast Seite für Seite iu dem Briefwechsel der wuuderlichen Geschwister Breutano. Es ist eine hochgesteigerte nnd zum Teil künstliche uud ungesunde Eigeutümlichkeit, die uns aus dem Buche anblickt, und die doch mitten nnter der Roheit und Flachheit der durchschnittlichen Tageserscheiuuugen beinahe wohlthut. Übrigens ist es seltsam: obschvn sich Clemens Brentano in diesen Briefen an die Schwester von seiner besten Seite darstellt, so wird er doch immer von der trotz aller Wunderlichkeiten verständigern, wahreren uud entschlosseneren Bettina überragt.

Für die Redaktion verantwortlich: Johannes Grunow in Leipzig Verlag von Fr. Will). Grunow in Leipzig Druck von Carl Marquart in Leipzig