Bildung, Schulen und Sozialdemokratie
von A. F. Grohmann
eil die Dinge in der Natur nicht einzeln vorkommen, sondern in Verbindung stehn, muß auch die Wissenschaft, die ihnen nachspürt, ein verbundnes Ganze bilden und der Verstand des Forschers gleichsam ein Gewebe von Gedanken sein, das in allen seinen Fäden dem Gewebe der Dinge in der Natur entspricht. So schreibt John Thndall, und eigentlich ist jedermann bis zu einem gewissen Grade Forscher, sein Verstand gleichsam ein Gewebe von Gedanken, das in seinen Fädeu dem Gewebe der Dinge in der Natur entspricht, denn viele Gleichförmigkeiten in den Naturerscheinungen sind der Wahrnehmung so offen, daß jedermann die eine Erscheinung erwarten lernt, wo er die andre fand. Nnr giebt der eine Verstand die Dinge gleichsam mit photographischer Treue wieder, der andre uur in groben Zügen, der eine in ihrem tiefern Znsammenhange, der andre nur oberflächlich, der eine in den richtigen Verhältnissen, der andre entstellt, verzerrt.
Nun kann nicht jede Frage zu jeder Zeit von jedermann sozusagen mikroskopisch untersucht und auf ihre letzten Gründe zurückgeführt werden, manche Frage aber fordert unumgänglich, weun ihre genaue Uutersnchnng einmal nötig ist, daß sich diese Untersuchung auch auf das mit ihr in Verbindung stehende Gewebe erstrecke, wenn die Auflösung mehr sein soll als ein bloßes Kunstwerk der Einbildungskraft, das die Wahrheit zu erreichen glaubt. Und umgekehrt ergiebt mitunter die Untersuchung des Gewebes der Dinge in der Tiefe die Entscheidung von Fragen, die an der Oberfläche des Lebens oder der Wissenschaft auftauchen und die mit der Tiefe gar nicht zusammenzuhängen scheinen.
Man nehme die Frage nach der Reform der höhern Schulen. Schon
Grenzboten 11 189S 43