Litteratur
287
gekommen ist, wie ich es prophezeit habe. In lauter Bitterkeit ist sie abgefahren, nnd die letzten vierzehn Tage hat sie bei nns gewohnt, weil die Meisznerschen ihr das Leben zur Hölle gemacht haben. Denn wie fing es an? Mit der Langenweile. Erst schon mit Hcmack. Zur Strafe für die Ohrfeigen und die Raus- schmeißerei hat er das Grasmückennest ausgenommen, wo Frau Doktern jeden Tag ihre Freude dran hatte, hinten bei der Bahn rum, in der Ligusterhecke, und die fünf Jungen, die bald flügge werden sollten, die hat er auf einen Stein gelegt und mit dem Beil zu Matsch geschlageu. Das hatte sie uun davon, und sie hat sehr geweint. Und es wurde ihnen also alles langweilig, es ging ihnen zu gut. Zweihundert Geschichten hatte sie ihnen nachgerade erzählt, nun kriegten sie es satt. Das mit den Schularbeiten paßte ihneu dauu auch nicht mehr, uud die Alten mengten sich mich zwischen, und es wäre nnn genug mit der Verzieherei, nnd wenn Frau Doktern doch man über alle Berge wäre. Und unersättlich sind sie natürlich auch, die Bande, denn was habe ich gesagt? Wie sie nachher noch mal nach Berlin gefahren ist, da haben sie geglaubt, nun gäbe es noch mal eben solch Fest, und wie das dann nicht zutraf, da waren sie mit ihr böse, und ließ sich keiner mehr bei ihr sehen, und grüßten sie anch nicht mehr. Und dann kams raus, daß die Meißnern in der Klucke ihrer Abwesenheit in allen ihren Sachen gekramt hatte, uud daß der Meißnern ihre Schwester Frau Dokters Kleider auprobirt hatte, und wie sie dann alles zuschloß, aber zu spät, da ist ihr die Meißnern auf die Bude gerückt und hat dermaßen Radau geschlageu, daß Frau Doktern schnell ein paar Sachen zusammengepackt hat und ist mit dem Jungchen für die Nacht zu uus gekommen, so hat sie sich gefürchtet. Dann haben wir ihr gilt zugeredet, denn sie wollte gleich nach Berlin, und dann sind wir mit ihr nach Neuenhof gegangen und haben ihr geholfen alles verpacken uud wegschicken, uud dcmn haben wir die Bude zugeschlossen, denn sie hatte noch vierzehn Tage Kontrakt, die sollten dem Luder uicht geschenkt sein. Das habe ich durchgesetzt. Uud dann haben wir die arme Klucke noch die letzte Zeit ein bischen gepflegt, denn sie war ganz ab, und dann ist sie nach Hause gereist, und kräht kein Hahn nach ihr. Aber das Beste kommt noch. Wie sie weg ist, kommt die Meißnern, und was meinen Sie? verklagt Frau Dokteru wegen Holzdiebstahl. Na, Sie können sich denkeu, wie ich die vom Hofe runter gebracht habe. Aber wie finden Sie das? Ich wundre mich über nichts mehr, die Welt ist ruppig. Womit ich verbleibe
Ihr Freuud Geß
M. Vorige Woche habe» wir einen Dachs gegraben, aber wer die Gelackmeierten waren, das waren wir, der gnädige Herr hatte sich vorher empfohlen.
D O
Litteratur
Mecrgold. Von Fritz Bode (Hans Elben), Arolsen, A. Speyersche Buchhandlung Eine Erzählung oder vielmehr ein Phautasiestück, das eigentlich ein Gedicht sein sollte und einen Ton anschlägt, den man in der erzählenden Prosa für das Märchen, für die Legende, aber nicht für die Novelle gelten lassen kann. Nun steht