Beitrag 
Litteratur
Seite
240
Einzelbild herunterladen
 

Litteratur

Kirche und Humanität im Kampfe gegen die leibliche und sittliche Nut der Gegeuwnrt, Von 1)r. W, Briutmau», Geheimer (!) Sauitiitsrat. Berlin, W, Hertz, 1891

Der Verfasser, der ans einem reichen Schatze Persönlicher Erfahrung schöpft, und dem es mit dem Kampfe wider die leibliche nnd sittliche Not des Volkes heiliger Ernst ist, charakterisirt die evangelische, die katholische und die auf der Humanitiitsreligiou beruhende, von Vereinen wie von einzelnen hervorragenden Ärzten geübte Armen- und Krankenpflege, stellt unparteiisch die Licht- und Schatten­seiten einer jeden dar nnd giebt Ratschläge zu besserer Orgauisntiv», Den Standpunkt Brinkmmms in den religiösen Kämpfen der Gegenwart zn kennzeichnen, ist n, n. folgende Stelle (S. 2l>) geeignet!Es wird manchem auffallen, daß ich auf die Gestaltung des Christentums in der Kirche nnd durch dieselbe eine» so hervor­ragenden Wert lege; in der weitern Darstellung wird es sich aber zeigen, daß die freie Entwicklung des christlichen Lebens nnd christlicher Lehre in dem breiten Strome der Humanität für die religiöse nnd sittliche Wiederbelebung des Volkes nicht geeignet nud die Aufnahme religiöser und sittlicher Vorstellungen namentlich iu deu untern Klassen des Volkes an die traditionelle Form und Autorität der Kirche gebunden ist/' So spricht ein erfahrener Arzt, der für seine Person auf dem Standpunkte Herders und Schleicrmachers steht und der Virchow verehrt.

Das Faust buch des Christlich Meynende». Mit drei Faustporträts nach Rembrandt. Stuttgart, G. I, Gbschensche Verlagshandlung, 1891

Als jüngste, nennunddreißigfle Nummer der deutschen Litteratnrdeukmale des achtzehnten nnd neunzehnten Jahrhunderts hat S> Szamatolski jetzt die älteste, von ihm gefundne Ausgabe des Faustbuches veröffentlicht, das Goethe gekannt hat, des Faustbuchs vom Christlich-Meyneuden. Interessant ist es, daß diese Ausgabe von 1725 bereits eine Verstümmeluug des Faustbildes enthält, dessen Original um» iu einem Druck vou 1739 zu besitzen glaubte. Der Herausgeber Hut sich die Mühe nicht verdrießen lassen, dein wirklichen Original nachzugehe», und hat es glücklich unter den Blättern eines Rembrandtschen Schülers, des Ja» Joris van Vliet, auf dem königlichen Knpferstichkabinett in Berlin gefunden. Es ist als Beigabe zu dem Neudruck zum erstenmale veröffentlicht worden nnd zeigt den vorgebeugten alten Kopf eines schiefgebauten Mnnnleins, dessen ins Nichts starrender Blick ebensogut auf angestrengtes Grübeln wie anstrostlose Verzweiflung" zn schließe» erlaubt. Ob man es eineenergisch durchgeführte Charakteristik" nennen darf, we»n ans einein wenig veränderten Spiegelbild des Originals, das der Herausgeber ebenfalls beigegebe» hat, als Titelbild des alten Faustbnchs ein dickeS, ausdrucksloses Gesicht geworden ist? Die ganze grobe Mache weist eher auf eine» »»geschickte» Stecher hin als ans einen bewnßt arbeitenden Umbildner eines Charakterkopfes, wenn auch das Titelbild besser zu dem heruutergezerrteu Faust des Christlich-Mehneudeir paßt, als das Original zu ihm gestimmt haben würde.

Für die Redaktion verantwortliche Johannes Grunow in Leipzig Verlag von Fr, Wilh, Grunow in Leipzig - Druck von Carl Marqunrt iu Leipzig