Beitrag 
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Seite
190
Einzelbild herunterladen
 

190

Litteratur

man ihm auf der Stelle ansieht, daß er für alle reichen mnß. Die schöne Pointe des farblosen Schwalls lautet- ,,Ein solcher Mann und Kavalier in der schönsteil Bedeutung des Wortes ist Herr" so und so (Titel, Name und Wohnort), ,,der stets bemüht ist, alles Schöne uud Edle zu fördern, und zahlreiche schöne Züge aus dem Leben dieses Mannes wären hier zu erzählen, wenn es der Raum ge­statten würde (würde!); er hat den Mut, besser zu sein als gelten zu wollen (!), und wir verleihen schließlich der Hoffnung Ausdruck, daß es uns vergönnt sein werde, in einer der nächsten Nummern unseres Journals die Biographie dieses Gentlemans unseren Lesern bieten zu können." Wenn aber ein einziger Artikel den ganzen Dienst thun soll, so müssen die Namen gewechselt werden können, und in der That sieht es nicht nur im Stil, sondern auch typographisch so aus, als ob der Name des einzelnen Opfers nicht in der ganzeil Auflage, sondern immer nur in einem oder höchstens ein paar Exemplaren stehe, sodaß eine ganze Reihe mit einem male bewältigt werden kann. Der sich anschließende Briefwechsel, so weit man unbeantwortete Mahnungen so nennen kann, verläuft völlig nach dein Muster der ,,Fata Morgana" nebstFinanziellem Reporter." Auch dieses Blatt sagt nicht, wie oft es erscheint. Daß ein Bürgerfreund weniger optimistisch ist als eiue Fata Morgana, ist nur billig und natürlich; immerhin finden wir auch den Jahrespreis von zwanzig Mark für ein sogeteiltes" Lob noch nicht über­mäßig bürgcrfreundlich trotz der in Aussicht gestellten Biographie.

Die gebrechlichen Gigerl. Es ist gekommen, wie einsichtige Beobachter vorhersahen: unsre Jugend ist den Verreukuugen des Schulter- und Ellbogengeleuks beim Hnndeschütteln, den Verwickelteil Spirallinien beim Hutalmehmeii, der geistigeil Arbeit, die drei Mittelfinger des rechten Glaceehandschnhs ganz korrekt ans der linken äußern Rocktasche hervorblicke« zu lassen, auf die Dauer nicht gewachsen gewesen. Der spitze Schuabclschuh ohne Absätze mußte die riesigen Plattfüße schließlich des letzten Restes von Elastizität berauben, der winterliche Nord blies zu erbarmnngslvs durch die sich blähenden Hoscnschlänche und durch den an den Hüften abgehackten Sack des Überziehers. In, es mußte so kommen: unsre goldne Jngend ist vor der Zeit alt und schwach geworden. Darf es deshalb Wunder nehmen, wenn man heute nicht mehr das Mädchen am Arme des Jünglings, sondern umgekehrt den abgehärmten, pvruübergebeugten Jüngling lind seinen Knvten- stvck am Arme des schwachem Geschlechts erblickt? Dort hängt er sich ein, dort sucht er Schutz und Halt das rührende Bild des Greises am Arme der tren hütenden Enkeltochter. Wie lange noch, und unsre Philologen werden zum Faust einen knltnrgeschichtlichen Ezknrs schreiben müssen über die veraltete Sitte, wo der Mann noch von sich sagen konnte:Mein schönes Fränlein, darf ich wagen, Arm und Geleit ihr anzutragen?"

Litteratur

Das Ende des Traumes von Georg Duruy. Ailtorisirre Übersetzung aus dem Fran­zösischen von Dr. Fritz Bischofs. Berlin, Georg Reimer, 1891

Der Verfasser erzählt in Form einer Novelle den Untergang Gambettas. Die Wahl falscher Namen der Held wird Costalla genannt ermöglichte es,