Maßgebliches und Unmaßgebliches
1Z7
Lehrbuch der höhern Einbrecherkunst. — Und das haben Sie? fragte der Redakteur mit funkelnden Augen. — Ich hvffe es zu bekommen, vorläufig habe ich das Wichtigste aus der Einleitung stenographirt.
Nun Königstein, Sie sehen, es giebt noch andre interessante Sachen. — Königstein meinte verächtlich, Nüuberromantik sei nicht sein Fach. Doch Cvnrath versetzte treffend: Muß auch sein. Und für sich sagte er schmunzelnd: Der Gott Abrahams läßt uns nicht im Stiche, die Entführung und das Testament des Raubmörders sind mehr wert als die ganze Rede des Nadike. Doch meinen Artikel nicht zu vergessen.
Der war aller Störungen ungeachtet beinahe fertig. Conrath überlas ihn und fand ihn sehr gut. Der magere Textbraten hatte durch reichlicheil Citatenspeck Saft bekommen, nur die packende Schlußphrase, den Paukenschlag, das Feuerwerk, das blendet uud in der Erinnerung haftet, hatte er noch nicht gefunden. Die letzten Worte lauteten: Wir stehen am — Ja, woran? Am Scheidewege — banal uud zu schwach; am Abgrunde — in den hatte er den Leser schon zu oft blicken lassen; auch das Chaos war ziemlich abgenutzt; wir verarmen — zu trocken. Plötzlich rief er triumphirend: Heureka! Das ist neu und muß zünden. Mit einer gewissen Feierlichkeit tauchte er die Feder ein und setzte in festen Zügen an den Schluß und an den Kopf des Aufsatzes die Wortes „Am Rande des Bettelstabes."
So, schloß er ein wohlgefälliges Selbstgespräch, dieser Artikel, die Entführungsgeschichte, die Einbruchslehre — bin doch neugierig, ob die Agrarier wieder sagen werden: Dumm und langweilig!
Die Nummer des „Morgensterns" hatte in der That ungeheuern Erfolg. Der Conrath ist doch ein Teufelskerl! sagte« die Leser, alles weiß er, und geistreich schreibt er wie kein zweiter.
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Die Not der Landwirtschaft. Der deutsche Landwirtschaftsrat, der Anfang März in Berlin versammelt war, bleibt dabei, daß die Landwirtschaft den Zollschutz brauche, und daß die Herabsetzung der Zölle zu beklagen sei. Es sei daher unabweisbar, „bei der gesetzlich vorgesehenen Bindung der Zolltarifsätze nach oben jedwede weitere Abbröckluug der landwirtschaftlichen Schutzzölle auszuschließen." Andrer Meinung ist der konservative Rittergutsbesitzer von Zadow auf Alt-Wuhrow in Pommern, der in seinem Schriftchen „Der alte und der neue Kurs; wirtschaftspolitische Betrachtungen eines Landwirts" die Getreidezölle mit den bekannten Gründen der Zollgegner bekämpft. Der Zoll könne natürlich nur helfen, wenn er den GetreidcpreiL erhöhe; dn aber die Brotvertenerung alle Löhne und die Preise Grenzboten II 1892 Ifi