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Illusion und andre falsche Münze.
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Illusionen und andre falsche Münze

cis preußische Schulgesetz ist gescheitert; woran es gescheitert ist, läßt sich mit kurzen, klaren Worten nicht sagen. Im Landtage hätte es seine Mehrheit gefunden. Es dürfte noch nicht dage­wesen sein, daß ein Gesetz, das die beste Aussicht hatte, ange­nommen zu werden, und auf das der Ministerpräsident und der Fachminister den größten Wert legten, vor der Entscheidung zurückgezogen wird. Es ist das uur dadurch zu erklären, daß schwere Irrtümer in Beziehung auf die Tragweite des Gesetzes und deu Wert der Mehrheit zu Grunde lagen. Wir unsrerseits haben an dieser Stelle von Anfang an die Meinung vertreten, daß ein Gesetz wie das Volksschulgesetz kein Parteigesetz sein soll, und daß die Mittelparteien von der Mitarbeit nicht ausgeschlossen werden dürfen, denn wir haben von demMehrheitsprinzip" nicht die hohe Meinung, daß wir uns einbildeten, die Hälfte der Stimmen nnd eine stellten die absolute Mehr­heit dar oder könnten die absolute Giltigkeit beanspruchen. Auf der Seite der Minderheit standen gerade jetzt viele, deren Einsprüche gegen das Gesetz, sofern es die Grenze zwischen Staat und Kirche zieht, berechtigt waren.

Hierzu kam nun noch die allgemeine Bewegung: Entrüstuugsversamm- luugeu, Petitionen, Erklärungen, ein wahrer Sturm in dem papiernen Walde der Presse. Diese Bewegung hat uns immer an den Beginn des Kulturkampfes erinnert. Es war dieselbe trübe Flut, die damals losbrach, dieselbe Leiden­schaft, dieselben Phrasen und Deklamationen, dieselbe babylonische Verwirrung. Jeder redet, und jeder versteht unter denselben Worten etwas andres, und zur Sache rede« nur wenige. Au Stelle der Sachkenntnis, des klaren Urteils treten Illusionen.

Es wäre interessant, alle die, die jetzt triumphiren, zn fragen, welches der Grenzboten II 189S I