430 Das Verhältnis der Sittlichkeit zu Christentum, Staat und Airche
schwere Schädigung der letzter» erachtet werden. Die wissenschaftliche Erhebung der Techniker hat schlimmere Hemmnisse als dieses überwunden, aber wissen sollte man an den entscheidenden Stellen, daß man in den Kreisen der technischen Hochschulen jede Rückverweisnng in glücklich überwundne oder doch beinahe überwundne Zustände als einen Schlag empfindet und mit Überzeugung und Energie gegen jede Rückschicbung ankämpfen wird. Natürlich fehlt es auch au deu technischen Hochschulen selbst nicht an einzelnen Heißspornen der Neformschule, die es in ihrem Hasse gegen die alten Sprachen als einen Gewinn betrachten, wenigstens einzelne vom Latein unentweihte Gehirne zu Schülern zu erhalten, und die dafür die Degradirung des Polytechnikums mit in den Kanf nehmen, in der Hoffnung, daß auch für die Universität die Zeit kommen werde, wo das letzte Stündlein der alten Sprachen geschlagen hat. Aber ihre Zahl ist doch verschwindend klein, und im Großen lind Ganzen hält die Mehrzahl der Dozenten, nicht nur die Mathematiker, Physiker und Chemiker, die Humanisten der allgemein bildenden Wissenschaften, sondern auch die Techniker im engern Sinne, an der Anschauung sest, daß die Gleichheit des wissenschaftlichen Lebens und der höchsten Ziele an Universitäten und technischen Hochschulen auch die Gleichheit der Vorbildung erfordre. Und eben daraus erklärt sichs, daß in dem gegenwärtigen Kampfe die technische Hochschule so ausfallend neutral geblieben ist. Wo aber die eigensten Lebensinteressen bedroht erscheinen, pflegt alle Neutralität eiu Ende zu haben, und die preußische Lchnlrefvrm rückt diese Bcdrohuug zweifellos näher.
Das Verhältnis der Sittlichkeit zu Christentum, Staat und Kirche
Geschichtsphilosophische Gedanken ^5
aß das Christentum keine neue Moral gebracht hat, und daß das Sitteugesetz uicht in der Religion, sondern mit der Religion und unabhängig von ihr in der Menschenuatu.r wurzelt, darüber dürfte man heutzutage wohl einig sein. In der Christenheit begegnen uns dieselben verschiednen Charaktergattungen wie bei den heidnischen Kulturvölkern. Eine Gruppe guter Charaktere: der Helden- charakter, der sanftmütige Duldercharakter, der opferfreudige, der edelmütige, der hochherzige, der strenge, ordnungliebende und pflichtgetreue, , der offne und