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Geschichte der Nat ivna lökonomik von Hugv Eisenhart, Professor der Staatswisseu- schaften an der Universität Halle. Zweite, vermehrte Auflage.

Den» Schüler gewährt dieses nur 278 Seiten starke Buch eine so klare und zuverlässige Einsicht in die volkswirtschaftliche» Systeme und ihren innern Zusammen­hang wie kaum ein andres; aber auch der Mann der Wissenschaft wird es mit Nutzen lesen, weil der Verfasser alle wirtschaftlichen Veränderungen aus die höhern sittlichen Aufgaben der Gesellschaft als ans ihr Ziel bezicht und sein soziales Ideal, das auch das unsre ist, mit warmer Begeisterung empfiehlt, nämlich eine organische Gliederung der Gesellschaft, in der sich Individualität uud Gemeinschaft gegenseitig stärken. Wenn freilich Eisenhart meint, unsre jetzige amtliche Sozialpolitik befinde sich schon auf dem Wege zur Verwirklichung dieses Ideals, so erlaubt sich der Rezensent das stark zu bezweifeln. Wegen dieser uud andrer Sachen, z. B. der sehr ungnädigen Behandlung, die sich Rodbertus gefallen lassen muß, uns mit dem Verfasser auseinanderzusetzen, ist hier nicht der Ort.

Die Hausindustrie iu der Stadt Leipzig und ihrer Umgebung, Von t>>', Adolf Lehr. Leipzig, Duncker und Hunwlot, 1891

Wie aus allen solche» Untersuchungen, erfährt mau auch hier, daß etliche Arbeiter und Arbeiterinnen genug, andre kaum genng und noch andre nicht genng zum Leben verdienen. Wenn das Bild freundlicher ausgefallen ist als in viele» ähnlichen Schriften, so hat dazn nicht bloß der Grundsatz des Verfassers beige­tragen,den Äußerungen der vernommenen Arbeiter gegenüber sehr vorsichtig" zu sein, sonder» auch der Umstand, daß es, wie Lehr ausdrücklich hervorhebt, in Leipzig wirklich besser steht als iu ander» deutschen Großstädten und bei den Hausindustrielle» armer Gebirgsgegeitde». Am elendesten ist der Verdienst der Fellnäherimiein wöchentlich eine Mark fünfzig Pfemiige bis höchstens drei Mark. Viel Unheil richtetdie Gebnhrmig einiger israelitische» Unternehmer" an, wie der Verfasser sehr ungern nnd nur gezwnngeu durch zahlreiche übereinstimmende Be­schwerde» von Unternehmern »nd Arbeiter» anführt. Er uutersncht n. a. auch, ob es wahr sei, daß der ungenügende Verdienst die Arbeiterinneu zur Prostitution treibe, uud glaubt für Leipzig die Frage verneinen zu dürfen, weil die Zahl der unehelichen Geburten bei Dienstmädchen und Aufwärterinnen, die doch keine Nah­rungssorgen hätten, weit größer sei als bei den Fabrikmädchen uud den zu Hause arbeitenden Putzmacherinnen, Schneiderinnen u. s. w. Er besinnt sich allerdings darauf, daß ja gerade die Prostituirten nur selteu Kinder bekommen, glaubt aber dennoch, die Zahl der unehelichen Geburten als Maßstab der Sittlichkeit nicht ganz verwerfe» und aus de» Thatsache» de» Schluß ziehen zu dürfen, daß gewöhnlich andre Motive als die Not den Ausschlag geben, wenn sich ein Mädchen preisgiebt. Die Beweisführung des Verfassers hat aber überhaupt nicht viel zu bedeuten, weil, so viel wir uus erinnern, von Leipzig noch niemand behauptet hat, daß dort die Mäntelnäherinnen und andre Arbeiterinnen auf schmutzigen Nebenverdienst förmlich angewiesen würden; es ist immer nur von Berlin, Breslau uud einigen westdeutsche» Städten die Rede gewesen. Zur Erklärung der hohen Zahl unehelicher Kinder von weiblichen Dienstboten (durchschnittlich 370 im Jahre) müßte ermittelt werde»,