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Wandlungen in unserm höhern Schulwesen : ein Rückblick als Wegweiser für die Zukunft
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Wandlungen in unserm höhern Schulwesen

Ein Rückblick als Wegweiser für die Zukunft

ic gegenwärtige Bewegung für eine Schulreform, die langsam auch schvn an die Universitäten, die konservativsten aller Insti­tutionen, hinantritt, beruht gewiß nicht nur aus der Unzufrieden­heit mancher Kreise mit manchen Einzelheiten der bestehenden Verhältnisse, sondern im tiefsten Grunde auf einer Veränderung der Weltanschauung und also auch des Bildungsideals. Daß nun jede Zeit das Recht hat, nach diesem Ideal ihr Unterrichtsweseu zu gestalten, ist an sich ein selbstverständlicher Satz, der um so weniger bewiesen zu werde» braucht, als jede Zeit nach ihm gehandelt hat. Aber andrerseits hat sich eine wirklich probchaltige Umgestaltung dieser Art jeder Zeit gehütet, mit dem Bestehenden zu brechen, vielmehr sind die Grundlagen der höhern Bildung mit erstaun­licher Zähigkeit festgehalten worden; sast nur das Verhältnis der Bildungs­stoffe zu einander und ihre Behandlung hat sich geändert, und immer nur laugsamen Schrittes ist die Schule den Strömungen der Zeit gefolgt. Aber sie ist gefolgt, und gewiß,die Entwicklung der Gesellschaft stellt sich schwerlich an einem Punkte greifbarer dar, als in der jedesmaligen Stellung der ge­lehrten Schulen zu der Gliederung der Gesellschaft," also überhaupt zur Knltur- entwicklmig. Im Hinblick auf die gegenwärtige Bewegung wird es daher nicht uninteressant sein, einmal in kurzen Zügen vorzuführen, in wie engem Zusammenhange von den ältesten Zeiten an in Deutschland Schule und Kultur zu einander gestanden haben. So wird sich einerseits manches in der Schul- reformbewegung besser erklären, andrerseits sich auch manche ernste Waruuug ergebe», und zwar nach beiden Seiten hin.

Von einer Schule kaun in Deutschland erst von der Zeit an gesprochen werden, wo die deutschen Stämme dem Christentnme gewonnen waren; vor­her gab es nur eine häusliche Erziehung, keine Schule. Nun schied sich seit­dem die deutsche Gesellschaft des frühern Mittelalters immer schärfer in drei Stünde, die allerdings nichts weniger als kastenmäßig abgeschlossen waren, iu den Wehrstand, das ist der Adel vder später die Ritterschaft, den Nährstand.