Arbeitseinstellungen und Einigungsämter
V?» Knno Frankenstein
ie Arbeitseinstellungen im deutschen Buchdruckgewerbe haben in letzter Zeit hie und da Anlaß zu Erwägungen gegeben, wie Streitfälle zwischen Arbeitgebern und Arbeitern am besten zu schlichten wären. Bei der großen und allgemeinen Bedeutung der Sache bedarf es Wohl keiner besondern Rechtfertigung, wenn wir auch an dieser Stelle einiges dazu bemerken.
Innerhalb des deutschen Bnchdrnckgewerbes stehen sich in dem Verein deutscher Buchdrucker und dem Unterstützungsverein deutscher Buchdrucker Organisationen der Arbeitgeber und der Arbeiter gegenüber. Einen Einigungspunkt besitzen jedoch der Arbeiter- (Gehilfen-) Verband und der Arbeitgebcr- (Priuzipcil-) Verein in der Tarifkommission, einem Organ, das zu gleichen Teilen aus Arbeitgebern und Arbeitern besteht und u. a. berufen ist, Streitigkeiten um Änderungen des Arbeitsvertrages, d. h. um die Bedingungen und den Inhalt eines neu abzuschließenden Vertrages (Lohnhöhe, Dauer der Arbeitszeit, Art der Lohnzahlung u. s. w.), zu schlichtem Da außerdem im Buchdruckgewerbe eine Gleichartigkeit der Produktionsverhältnisse vorhanden ist wie in wenigen andern Industriezweigen, so ist ohne Zweifel auch die erste Voraussetzung für eiue erfolgreiche Wirksamkeit einer Organisation gegeben, die ernstere Zerwürfuisse, Arbeitseinstelluugeu u. s. w. verhindern will. Trotzdem wurden die Verhandlungen der Tarifkommission, jenes Einiguugsamtes für Deutschlands Buchdrucker, geschlossen, ohne daß ein Ergebnis erzielt werden konnte; der Streik brach ans. Das hat alle überrascht, die in den Einiguugsümtern im allgemeinen wie in der Tarifkommission der Buchdrucker im besondern geeignete Einrichtungeil zur Verhütung von Arbeitseinstellungen zu sehen pflegten.
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