tllastgebliches und Uinnnszgebliches
die Angabe der Längengrade, dann wäre die Unterrichtsstunde fertig gewesen.. Wir erfuhren auch, daß die Juden zu Tausenden aus ihrem Lande getrieben wurden, denn „das war so die Praxis der Gewalthaber des Orients." Nun kam die Anwendung ans die Gegenwart. Auch jetzt sei eine „Misere" in den „sozialen" Verhältnissen vorhanden, der „Pessimismus" herrsche, eine Teuerung sei ausgebrochen, die sich selbst ans Fürstellthronen fühlbar mache, und die „Lasten des bewaffneten Friedens" seien bis zur Unerträglichkeit gesteigert. In einem Gedankengange, dem ich nicht zn folgen vermochte, kam der Redner auf Christum. „Christus war kein Duckmäuser, auch die bildende Kunst hat ihn nie so dargestellt. Selbst ans der letzten internationalen Kniistausstellung in Berlin, über der doch ein gewisser moderner, realistischer Zng lag lso!), war er nirgends als Duckmäuser behandelt." Bei der Betrachtung des zweiten Verses bemerkte der Redner, daß wir uns um Rat an Christinn wenden sollen, „freilich nicht um technischen Rat, denn den holeu wir uns bei unsern Bernfsgenossen, aber um Sittlichkeitsrat j!)". Der Friede, der nach dem Propheten auch in der Tierwelt herrschen soll, wird nie eintreten; „das ist nur ein Gemälde des Glaubens oder der religiösen Phantasie." Wohl aber kann, wenn die Duldung unter den Menschen allgemein sein wird, „dieser Znstaud auch auf das Tierreich übergreifen/' Wenn diese Zeit gekommen ist, wenn das Reis aus der Wurzel Jsais Frucht gebracht habeu wird, dann wird in Wahrheit das Wort gelten' Suprvmn, Ivx rvKis volnnws. s!)
Über die Wirkung dieser Predigt brauche ich wohl nichts zu sagen. Ich beneidete alle, die vor dem Schlüsse die Kirche verließeil, aber ich hatte mir vorgenommen, bis zum Eude auszuharren. Mag man nun über Rechtgläubigkeit nud die sogeuauute freie Richtung denkeu, wie man Null, das eine darf mau doch wohl von jedem Geistlichen verlangen, daß er die Ereignisse der Zeit nntcr dem Lichte der Ewigkeit betrachte und so seine Zuhörer über die Sorgen und Kümmernisse dieses Lebens erhebe. Vernimmt mau aber, wie hier, von der Kanzel den Toil des elendesten Winkelblattes, dann darf man es den Leuten nicht verdenken, wenn sie lieber in einen „Bildungsverein" gehen, wo sie beim Glase Bier dasselbe hören und oft besseres. Neben mir stand ein Herr, der Mitglied des Gemeinde- Nrchenrats ist. Ich konnte mich nicht enthalten, thu darüber zur Rede zu stellen, wie man diesen Prediger habe wählen können. „Er hat die besten Zeugnisse und ist aus Berlin." - Aah! —
Litteratur
Zur See. Herausgegeben von Vize-Admiral z. D. von Heul (milrr Mitwirkung von zahlreichen - Fachmännern und Künstlern), rcdigirt von Hauptmann, von Wedelt. ' Mit >!7t! Textabbildungen und 14 ganzseitigen Knnstbeilagcn in Holzschnitt, Autotypie, Chromolithographie, Kupfer- nnb Lichtdruck, Zweite, dnrchqesehcne und vermehrte Auflage, Hamburg, Vcr- lagSanstalt und Druckerei-Aktiengesellschaft <vormals I. F. Richter) 18!»!.' Lieferung50,
Zu deu zahlreichem Werken, die sich mit der Geschichte der Organisation und der Thätigkeit uusers Laudheeres beschäftigen, bildet das vorliegende eine vortreffliche Ergänzung. Die Teilnahme an dem Schicksal uusrer Mariue ist seit einigen Jahren in Deutschland um so lebhafter gewordeu, je mehr wir erkannt haben, daß wir Kolonial- pvlitik ohne seemäunischc Tüchtigkeit uud militärischen Nachdruck uicht zu, führen vermögen, und daß die Sicherheit nnd das Gedeihen des überseeischen Handels und Verkehrs nur durch eine kräftige Entfaltnnq der Kriegsflotte gewahrt werden