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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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An unsre Freunde

aber ergreifenden Liebeslieder, zum großen Teil altes wertvolles Volksgut, laugst bekannt, hier nur wieder als noch lebendig im Volke bestätigt; dann folgen frische, kräftige Soldatenlieder, unter denen sich auch Gedichte aus dem siebziger Krieg findeu, die ganz zweifellos aus Soldateilkreisen stammen. Eine große Reihe kecker, mutwilliger Tschumperliedeln so sagt man im Erzgebirge für Schnadahüpfeln, vom Freien uud von der Ehe die Ehe findet im Volksliede wenig Gnade, ineist wird die Verlorne Freiheit beklagt, vom Tanzen und Trinken, von den verschiednen Bernfsarten, endlich .Kinderlieder, Auszählvcrse nud Zählreime der Klöpplerinnen bilden den Schluß. Fürwahr, der wäre zu bedauern, der diesen naiveu Erzeugnissen des Volkes keinen Geschmack abgewinnen könnte, der über dem Genuß an dem Duft und der Farbenpracht unsrer Kunstlhrik den Sinn für diese bescheidnen Feldblumen verloren hätte!

An unsre Freunde

Auch diesmal richten wir bei dem bevorstehenden Jahreswechsel an unsre Freunde die dringende Bitte, nach Kräften zur Verbreitung der Grenz- boten beizutragen, lver die Grenzboten regelmäßig liest, dein kann es nicht entgangen sein, wie tief sie im Laufe des letzten Jahrzehnts umgestaltet worden, wie sie immer mehr zu dem geworden (oder wieder geworden!) sind, was manaktuell" nennt. Sie haben es freilich werden müssen. Denn immer größer wird die Zahl brennender Fragen auf allen Gebieten des geistigen, des sozialen, des wirtschaftlichen Lebens, die ihrer Lösung harren, immer größer die Zahl derer, die sich an die Grenzboten wenden, wenn sie zur Cösung einer dieser Fragen ein freies, offnes, mutiges Wort zu sagenhaben, weil sie wissen, daß sie es hier und nur hier sagen können, in diesen völlig selbständigen, nach allen Richtungen hin uuabhäugigen Blättern! Unsre Leser stehen sich also selbst im Lichte, wenn sie dulden, daß sich ein großer Lesezirkel mit einein einzigen (!) Exemplar begnügt, das ZNonate braucht, bis es in die letzten l)ände kommt. Das ging vor zwanzig, auch noch vor zehn Iahren, wo die Grenzbotcn mehr eine populärwissenschaft­liche Zeitschrift waren, aber es geht heute nicht mehr; heute müssen sie frisch gelesen werden! Aber es giebt ja auch noch mittlere und kleinere Städte in Deutschland, wo sie ganz fehlen, und wo sie doch für die bessern l^öpfe ein vorzügliches geistiges Band uud ein rechter Sauerteig werden könnten, wenn sich nur einmal jemand ihrer annehmen uud sie empfehlen wollte! Die herannahenden Fest- und Ruhetage werden dazu vielfach Gelegenheit geben, nnd wir bitten darum.

Der Preis der Grenzboten beträgt für das Vierteljahr ^> Ulark. Be­stellungen nehmen alle Buchhandlungen und Postämter an.

Leipzig, im Dezember

Verlag und Redaktion der Grenzboten

Für die Redaktion verantwortlich: Johannes Grnnow tu Leipzig Verlag von Fr. Will), Grunow in Leipzig Druck von Brcitlopf und Härte! in Leipzig,