(Erinnerungen eines Offiziösen
in Mann, der als Achtuudsechziger nach einem höchst wechselvollen Leben, nach rastloser, anstrengender, ost aufreibender Thätigkeit diesseits und jenseits des Ozeans Spannkraft genug besitzt, sich noch einem neuen, ihm völlig sremden Berufe, wieder in andern Weltteilen, zn widmen, und den „Ruhestand," der dem Drei- nndachtzigjälwigen auf seinen Wunsch gewährt wird. dazu, allwendet, auf dreizehnhundert Großoktavseiten seine Erlebnisse zu berichten: ein solcher Mann ist gewiß eine ungewöhnliche Erscheinung. Dieser Mann ist Julius Fröbel, bvu dem rascher zu sagen wäre, welche Lebensstellungen er nicht eingenommen uud wo er uicht gewvhut hat, als umgekehrt. An seine Selbstbiographie (Ein Lebeuslaus. Aufzeichnungen, Erinuerungen und Bekenntnisse. Zwei Bände. Stuttgart, Cottaische Buchhandlung 189V/91) wird man mit gespannter Erwartung hincmtreten dürfen, uud im großen und ganzen wird man auch uicht enttäuscht werden. Der neue Odysseus erzählt seine 'bunten Schicksale lebendig, wenn auch uicht immer im besten Deutsch,*) schildert anschaulich die Natur unter verschieduen Himmelsstrichen und die Menschen, mit denen er in Berührung gekommen ist; er verfügt offenbar über ein beneidenswertes Gedächtnis nud außerdem, wie es scheint, über ein wahres Archiv von Tagebüchern und befleißigt sich einer Offenherzigkeit, die nicht überall angenehm berühren wird. Dabei ist er andrerseits einer Gefahr nicht entgangen, der ein Memoirenschreiber leicht ausgesetzt ist- seiue Person und sein Wirken zu überschätzen. Als er einmal, schon in hohen Jahren, fast ohne Aufenthalt Uon Smyrna nach Berlin gereist ist und nachher erfahren hat, daß solche Eile nicht Vonnöten gewesen wäre, bezeichnet er das bitter als eine Strafe seiner Thorheit, sich sür wichtig zn halten, nnd schon srnher sällt die Bemerkung, daß er bei dein Wnusche, in einer andern Sphäre als der des Konsnlats- dienstes verwendet zu werden, nicht an sich selbst gedacht habe. Welche Sphäre
»1 Er teilt den mitverbrertetm Haß gegen Hilfszeitwörter nnd gebraucht regelmäßig anstatt „dortig" das schöne Wort „dasig", das Wcigand eine Erfindung des „nnedeln GcschästSstilö" nennt; das in Snddcutschlaud nnd Österreich ein gleichlautendes Wort wirr, schwindelig ?c. gebraucht wird, scheint Fröbel trotz seines diesjährigen „dasigcn" Aufenthaltes unbekannt geblieben zn sein, nud dcrgl. wehr.