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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

Zum Kaiserd enkmal. Von einem namhaften Künstler wird uns geschrieben: Seit die deutsche Künstlerschast aufgefordert wurde, sich an einer Coneurrenz zu einem National-Denkmal der Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches zu beteiligen, sind im Anschluß an das, was eine Anzahl derselben in einer ersten großen und in einer zweiten sehr eng ausgefalleneu Coucurrenz geboten haben, eine Menge von Betrachtungen darüber veröffentlicht worden, welche Aufgabe hier vorliege. Diese Betrachtungen stammen nun Wohl fast alle von Kuustschriftstellcru und leisten, wie so oft heutzutage, au Gegensätzen das Menschenmögliche, Woher, fragt man sich, kommt diese Vielgestaltigkeit der Anschauungen gegenüber einer Aufgabe, die doch, wenn man sie sich näher betrachtet, sofort zu den allem angemessenen Grnndbe- dinguugen führt? Wie kommt es, daß fast alle, die darüber geschrieben haben, der Laieuwelt neben teilweise Richtigem doch auch so Verkehrtes aufgetischt haben, natürlich immer in der unbestreitbaren ehrlichen Absicht, in dieser hochpatriotischen Angelegenheit mit dazu beizutragen, daß der rechte Weg eingeschlagen werde? Wie kommt es, daß sich diese Kunstfreunde bei einer solchen Gelegenheit keinen Vers machen können?

Die Antwort auf diese Frage ist ziemlich einfach. Als Patrioten und als Laien von Geist würde ihnen wohl so ziemlich dieselbe Betrachtung der Aufgabe nahe gelegen haben, die der Künstler selbst zur Grundlage nehmen muß: nämlich was da ungefähr darzustellen ist. Aber da sitzt eben der Haken, Der Künstler be­trachtet sich diese Aufgabe immer mit der bildlichen Vorstellung zugleich und kommt dadurch zur Erprobung der Darstellbarkeit und zu einem bestimmten Bilde. Das kann sich der Laie nicht zutrauen, er kann sich nur durch schon vorhandene Kunst­werke einigermaßen über die Ausführbarkeit eiuer verwandten Aufgabe unterrichten, und er wird das um so besser können, je weniger der Fall ganz neu ist. Hier liegt nun in der That keineswegs ein noch nie dagewesener Fall vor, wenn auch die Aufgabe einen ungewöhnlichen Umfang hat. Und dennoch so viel Irrtum in manchen kritischen Beleuchtungen! Das neue bei der Aufgabe ist, daß die ganze deutsche Nation, soweit sie als patriotisch gelten kann, angesichts der Bedeutung des ersten Kaisers und der Gründung des Reiches unwillkürlich ein Nationaldenkmal erwartet, d. h. ein Denkmal, das die Oberhoheit des Kaisers über das deutsche Reich und des Reiches ganze und freudige Mitwirkung zur Erreichung dieser großen hoch­wichtigen Thatsache zum Andenken für Kind und Kindeskind verherrlicht. Weil an diesem Denkmal Gesammtdeutschland in festlicher Würde vertreten sein muß, ist die Aufgabe größer als gewöhnlich und in diesem Sinne neu. Trotzdem liegt keine schwierigere Aufgabe vor, als schon bedeutende Bildhauer der Gegenwart und Vergangenheit gelöst haben. Nur soll man nicht wähnen, daß hier von einer Wiederholung die Rede sein könne, eine solche ist von selbst ausgeschlossen.

Ganz im Gegensatz zu der hier ausgesprochenen Meinung spricht sich eine Be­trachtung der jüngsten Conmrreuz aus, die in derKunst für Alle" erschienen ist.