Beitrag 
Die Umbildung der sozialdemokratischen Partei
Seite
449
Einzelbild herunterladen
 

Die Kunstwissenschaft an nnsern Universitäten

449

den leisesten Tadel gegen Herrn von Vollmar auszusprechen, nachdem er förmlich nochmals das erklärt hatte, was er immer gesagt hatte, daß er die Taktik der Partei uur billigen könne. Beruhen doch gerade seine Ansichten aus dieser Taktik.

Der Sieg Vollmars, dessen Standpunkt die Partei scheinbar verurteilt, während sie, wie einer der Jungen mit Recht bemerkte, in Wirklichkeit der von ihm empfohlenen Taktik folgt, ist vollständig. Die eiserne Notwendigkeit zwingt die Partei zur Mitarbeit uud treibt sie mehr und mehr aus dem luftigen Reiche Phantastischer Träume aus dcu sichern Boden der Wirklichkeit. Anch die Sozial­demokratie steht unter dem Einflüsse einer höher» Macht, die alle irdischen Dinge und alle menschliche Thorheit doch schließlich zum Besten leitet.

Die Kunstwissenschaft an unsern Universitäten

Von Aonrad Lange

cmm ist der Streit zwischen Künstlern und Kunstgelehrten, zwischen Kunstkennern und Kunsthistoriker» verstummt, so töut schon wieder eiu neuer Kampfesruf durch die sonst so friedlichen Gefilde der Kunst. Universität und Museum sind es, die ihre Getreuen um sich sammeln und sich in heißem Ringen gegen einander kehren. Die wuchtigen Hiebe vonRembrandt als Erzieher" habeu den Streit entfacht.

Wilhelm Bode, der Direktor der Berliner Gemäldegalerie, wirft den Ver­tretern der Kunstgeschichte an der Berliner Universität vor, daß sie den Jnhakt der hauptstädtischen Mufeeu für ihre Vorlesungen nicht besser ausnutzten, die Studeuten der Kunstgeschichte an der Universität nicht besser zur Beamten­laufbahn an den Museen vorbereiteten. Hermann Grimm, der Hauptvertreter der Kunstgeschichte an der Berliner Universität, erwidert dagegen, es sei nicht die Aufgabe des Professors der Kuustgeschichte, Museumsbeamte zu erziehen oder gar seine Vorlesungen nach dein zufälligen Inhalt der am Orte befind­lichen Kunstsammlungen einzurichteu. Bode wirft den Dozenten der Kunst­geschichte vor, daß sie ihr Streben und ihren Stolz darein setzten, wieder Fach­männer auszubilden, sodaß geradezu eine Übersüllung mit Spezialisten eintrete, die die Frage nahe lege, ob wir nicht besser thäten, die Kuustgeschichte au den Universitäten (abgesehen vielleicht von. solchen, die größere Knnstsanmilungen am Platze haben) überhaupt uicht durch besondere Professoren vertreten zu lassen, sondern sie vielmehr mit eiuer Professur für Geschichte, Philosophie oder Ästhetik (je uach der Anlage oder dem Studium der betreffenden Persönlichkeit) zu ver-

Grmzboteu IV 1891 5?