Litteratur
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vbachtnngSknrven" (Knrvcn!) genannt, wenn man sieht, wie jemand alles Ernstes die deutsche Litteraturgeschichte in Gestalt einer Flußkarte heransgiebt, die einen großen grauen Hauptstrom und eine Masse grüner, roter, blauer, gelber Nebenflüsse ilnd Nebenflüßchen zeigt, so kann kein Zweifel darüber sein! die Leute, die dergleichen veröffentlichen, halten ihre Mitmenschen für ungeheuer dnmni.
Das neueste auf diesem Gebiete des Anschauungsunterrichts ist eine Ausgabe von acht Fugen aus Bachs Wohltemperirtem Klavier, die in Amsterdam erscheint (herausgegeben von Bernardus Boekelmann) und in der die einzelnen Fugenmotive mit verschiednen Farben (schwarz, rot, grün, violett) gedruckt sind! Wo das Motiv wechselt, wechselt auch die Farbe; wo drei Motive mit einander verflochten sind, schillert das Notensystem in drei Farben! Der Plan des Heransgebers gründet sich, wie es in dem uns vorliegenden Prospekt mit Probedruck heißt, „auf der (!) Überzeugung, daß, wo es sich nm Auffindung der Teile handelt, ans welche» eine musikalische Komposition besteht, es vom höchsten Borteil sein müsse, weun inan den Gesichtssinn als Gehilfen für das Gehör uud die geistigen Fähigkeiten herbeiriefe (riefe!); der Kompositivnsschüler werde damit „gleichsam in die geistige Werkstätte des größten Meisters der Fnge eingeführt" und ihm „viel vvu den Plagen nnd Beschwerlichkeiten, welche den analytischen Stildien innewvhnt (wohnt!), abgenommen,"
Die „Musikpädagvgik" der letzten Zeit hat manchen wunderlichen Einfall gehabt — man denke nur an die „phrasirten" Ausgaben; aber als ein so kindisches Kanermäilnchen ist uns der „Mnsikpädagog" noch nie erschienen wie in dieser vierfarbigen Fngcnansgabe. Na da geht nur, ihr lieben Mnsikkinderchen, kauert euch zu ' ihm hin nnd beguckt ench das hübsche bnnte Buch! Weuu ihr aber wirklich eiueu Einblick in die „geistige Werkstätte" Bachs gewinnen wollt, so merkt ench, daß der erarbeitet sein will, nnd dann geht und kauft euch, wie bisher, die erste beste schwarzgedrnckte Ausgabe!
Litteratur.
Des Hern Archcmoros Gedanken über Irrende, Suchende nnd Sclbstgcwissc von Hermann Ocser. Basel, R, Reich, 1892, 125 S.
Judas Gewand des „Erznarren" oder ., FnrgaWs" Meldet, der ans d Wegen des Schicksals andern vorausgegangen ist, Null der Verfasser nur voll dun reden, „was er in sich erfahren hat, und sich bei der Darstellung fremden ^rrtmm' "'""er bewußt bleiben, daß die Möglichkeit zu dem gleichen Irrtum, »nr^glmyen Sünde vvu Aufaug auch in ihm liege, Auch er sei ein Suchender, ein ^rrcnver ""d ach, wie oft eiu Selbstgewisser." Diesem Versprechen ist er trcil geMn-ven, >'-' lose aneinandergereihte Aphorismen, Gespräche und kleine Erzählungen beyan- doln die ernstesten Fragen des Glaubens- und Gemütslebens, Wenn er oav geistliche Amt vorzugsweise im Auge hat („Gesindeordnnng der Diener Gottes, .rcllgion und Theologie),' so besitzt er doch einen durchdringenden Blick für die schwache» andrer Stände, ohne je zum Spötter zu werdeu. Vielmehr ruht über dem Ganzen