Die höhere Mädchenschule
s ist eigentlich ein undankbares Geschäft, über unsre höhere Mädchenschule zu schreiben. Denn die Thatsache ist wohl kaum zu be- streiten, daß das Publikum sehr geneigt ist, bei den Worten „höhere Mädchenschule" zu lächelu uud die Achselu zu zuckeu. Mau deukt an die zahlreichen spaßhaften Geschichten der Fliegenden Blätter aus der Mädchenschule, au die sabelhaft alberuen Anssatzthemnta, die an diesen Sehnten gegeben worden sein — sollen; man denkt an die Aufsätze, die uusre illustrirten Unterhaltnngsblätter von Zeit zu Zeit bringen, und die in der Regel in einer mehr oder weniger vollständigen Verurteilung des höhern Mädchenschulweseus der Gegenwart zusammentreffen. Kurz, wenn nach Jphigeniens Wort der Frauen Zustand beklagenswert ist, so ist der der höhern Mädchenschule uvch weit be- klageuswerter. Sogar weun das preußische Abgeordnetenhaus, lauter eruste Mäuner, auf diese Frage zu sprecheil kommt, entwickelt sich die Verhandlnng zu eiuer aumutigen Heiterkeit, soweit das mit einer allgemeinen Gleichgiltigteit nud zugleich Ermüdung vereinbar ist. Ermüdung, weil die Mädchenschulfrageu gewöhnlich ganz am Schluß einer Sitzuug verhandelt werden; da ist es denn kein Wunder, daß, nachdem man stundenlang eingehend über die höhern Knabenschulen gesprochen hat, unter dem Eindruck der allgemeinen Gleichgiltigkeit und Müdigkeit die Sache ganz kurz nach dem Wnnsche des Regiernngs- kommissars uud dem Antrage des Referenten ablehnend erledigt wird. Ergreift gar das Wort ein ebenfalls ermüdeter und daher nicht völlig glücklicher Redner, fo wird seine Versicherung, er wolle knrz sein, mit lauter Heiterkeit aufgenommen ; die Verhandlnng löst sich in Wohlgefallen auf. und die berechtigten Wünsche von Huuderteu von fleißigen nnd gewissenhaften Lehrern werden abermals unter allgemeiner Znstimmung als schätzbares Material zu den Akten gelegt, d. h. begraben.
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