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Berliner Liebesromane
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Maßgebliches und Unmaßgebliches 295)

verdorben vorstelle» müßte. Die üble Erfahrung aber, die Jan mit seinem geläuterten Empfinden macht, ist nicht schändlich für ihn, sondern für das weibliche Geschlecht, dem er sein reines Gefühl geweiht hat. Folglich bleibt gar nichts andres übrig, als anzunehmen, daß Tovote seinem Nihilismus so roh und unzweideutig als nur möglich Ausdruck habe geben wollen. Das ist ihm ohne Zweifel gelungen, aber ebenso richtig ist, daß dieser Nihilismus ein­fach abgeschmackt ist. Denn solange ich meine Mutter achte, kann ich am Weibe nicht verzweifeln; solange ich ein gesunder Mensch bin, werde ich sitt­liche Reinheit von körperlicher Keuschheit beim Weibe nicht trennen; solange ich nicht so wie Tovote im Kokottengeiste untergegangen bin, werde ich die Ethik der Kokotte nicht zu der meinigeu machen. Es ist die Ethik der Schwächlinge.

DieÜberwindung des Naturalismus," die sich Heinz Tovote zum Ziele setzt, ist demnach solange unmöglich, bis er nicht bloß ein geschmackvoller, sondern auch ein sittlich gesunder Mensch geworden sein wird. Sein ehrliches künstlerisches Streben verdient, daß man die Hoffnung nicht ganz anfgiebt, er werde auch sittlich zur Klarheit gelangen.

!vien Moritz Neck er

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Des Kaisers Bart. Als der Kaiser Heuer von seiner nordischen Reise einen Vollbart mitbrachte, waren die Berliner Hofbartkratzer sehr betrübt, denn ihre besten Kunden aus der Gesellschaft wollten nun ebenfalls den Schmuck des Mannes tragen. Jetzt aber herrscht wieder große Freude, da dieselben edeln Herren seit dem 22. Oktober den bloßen Schnurrbart viel schöner finden als den Vollbart. Ist man nnn auch keinen Augenblick darüber im Zweifel, wer höher zu achten ist, der Ackerknecht, der seinen Bart trägt, wie er will, oder der hoch- adliche Herr, der es für das größte Glück seines Lebens hielte, wenn er einmal mit Serenissimo verwechselt würde, so muß man doch fragen, ob denn der Bart das einzige ist, was so schnell gewechselt wird, oder ob nicht in Fragen der aus­wärtigen Politik, des Heerwesens, des höher», Unterrichts mancher, mag er zur Hofgesellschaft gehören oder nicht, eben so bereit ist, seine Meinung zu ändern. Wir haben leider jetzt viele Männchen, aber wenig Männer, seit der große Man» abgetreten ist.

Heer und Mode. Als der Kaiser Brigadekomnmndenr war, erließ er eine scharfe Verordnung gegen die spitzen Schnhe, die weiten Beinkleider mit den Bügel­falten, die kurzen Überröcke und die willkürliche Forin der Mützen. Wir wissen nicht, ob bei den Regimenter», die der Kaiser damals führte, diese Verordnung noch jetzt befolgt wird, aber das wissen wir, daß in den »leisten andern Regi­mentern die Engläiiderei stark eingerisse» ist. Es fehlt nicht mehr viel bis zum Anflreinpen der Beinkleider. Wahrscheinlich ist es unsern Leutnants bekannt, daß