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Die Teilung des christlichen Erbes : geschichtsphilosophische Gedanken. 12
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Die Teilung des christlichen (Lrbes

Geschichtsphilosophische Gedanken. ^2

ie populären und größtenteils auch die wissenschaftlichen Dar­steller konfessioneller Dinge sind bis ans den heutigen Tag der angestammten Sitte treu geblieben, die eigne Konfession weis; und die der Gegner schwarz zn malen, falls aber Widerspruch erfolgt, schneeweiß und kohlschwarz aufzutragen. Dem Philo­sophen steht es von vornherein fest, daß beide Parteien sowohl Recht als Unrecht haben müssen, aber er wird nicht so kindisch sein, zu glauben, daß man die Wahrheit erhalte, wenn mau schwarz und weiß zu grau vermische. Ausgehend vielmehr von der Überzeugung, daß so gewaltige und langlebige Körperschaften, wie es die Konfessionen sind, nieder der ideellen noch der ge­schichtliche» Berechtigung entbehren können, wird er die Stellung beider iu der Entwicklung des Menschengeschlechts anzugeben versuchen: die Kräfte und Verhältnisse, deren Erzengnisse sie sind, die verschiednen Aufgaben, die ihnen die Vorsehung gestellt hat, die Dienste, die beide dein Menschengeschlecht auf seiner mühseligen irdischen Pilgerschaft leiste«. Unter den Geschichtschreibern kenne ich nur einen, der sich dieser Aufgabe mit heiligem Ernst und philo­sophischem. Scharfblick unterzogen hat: Karl Adolf Menzel, der denn auch, wie sichs gebührt, von beiden Parteien wie die Pest gemieden wird. Eine Zeit lang wurde er in katholischen Kreisen eifrig gelesen; aber nachdem die freiere Nichtnng des deutschen Kathvlizismns unterdrückt worden ist, darf er mich dort nicht mehr gekannt noch genannt werden. Der Philosoph kann und darf keinen andern Standpunkt einnehmen als Menzel. Von diesem Stand- Punkt ans haben wir an einem einzelneu Gegenstände, der politischen und der Gedankenfreiheit, zu zeigen versucht, wie die Vorwürfe, die die Konfessionen einander gegenseitig inachen, größentcils dadurch hinfällig werden, daß die wohlthätigen wie die verderblichen Erscheinungen, um die es sich handelt-, gar nicht aus den verschiednen Glaubenslehren und Kircheneinrichtnuge» entsprungen, sondern die Wirkungen andrer Ursachen sind. Jetzt wollen wir zu zeigen ver­suchen, daß es falsch ist, die eingetretene Spaltung, wie auch viele Prote­stanten thun, als ein Unglück zn beklagen; gerade die Spaltung war not­wendig, notwendiger als die Reformation selbst.