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Die Sozialdemokraten in Erfurt
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Die Socialdemokraten in Erfurt

ie Spaltung, die Haltung des Parteivvrstandcs und das neue Programm das sind die drei Erscheinungen auf dem letzten Sozialdemvkratenkonzilium, die ein wenig erwogen werden wollen. Daß Parteien gasförmiger Natur zu sein pflegen und ans die Daner nur durch äußern Druck zusammengehalten werden, ist eine alte Erfahrung. Wann die Sozialdemvkraten anfangen würden, sich zu spalten, war also nach Aufhebung des Ausucchmegesetzcs nur eine Frage der Zeit, und Anerbach, der Führer der Jungen, hatte ganz recht mit dem naiven Geständnis, das ihm in der kvnstituireuden Versammlung seiner Berliner Gesinnungsgenossen am 20. Oktober entfuhr: die jetzige Freiheit sei der Partei weit gefährlicher als die frühere Unterdrückung. Die Spaltung geht nnn so naturgemäß wie möglich vor sich. Nach links hin zerren die Ungeduldigen, die Hitzköpfe, die verbohrten Theoretiker, die Fanatiker, die ihr Paradies binnen Jahr und Tag fertig haben wollen und nach so kleinlichen Dingen wie Zahlen, Machtverhältnissen und Möglichkeiten nicht sragen. Nach rechts hin zieht Herr von Vvllmar, der für das ihm in nebelhafter Ferne schwebende Paradies nur »och platonisch schwärmt und, um es mit deu Worten seiner Gegner aus- zudrückeu, die revolutionäre Proletarierpartei in eine die gegenwärtige Gesell­schaftsordnung anerkennende, für die Besserung der Lage der Arbeiter wirkende ..opportunistische" oderpvssibilistische" Demvkratenpartei verwandeln will. Wie viel oder wie wenigGeuosseu" deu Mut finden werden, sich um die ausgeschlossenen Oppositionsführer zur Gründung einer neuen Partei zu scharen, bleibt abzuwarten. Vollmar und seine Baiern sind nicht exkommunizirt worden, und das bedeutet, daß der Parteitag vor ihnen die Segel gestrichen hat. Gn'nzbvte» I V 1891 32