Maßgebliches und Unmaßgebliches
zelne Progranunforderuugen der Sozialdemokratin!, vor allem die Entlastung der niedern, die stärkere Heranziehung der höher» Eiukommen zur Einkommensteuer sind übrigens ebensogut Forderungen der Ordnungsparteien. Über andre Fragen, wie die Schulgeldbefreinng, läßt sich mindestens streiten. Die Reform der Gesindeordnung ist bereits von der Regierung angekündigt. Die Einführung der Verwaltuugsgerichtsbarkeit wird die Sozialdemokratie schwerlich znr Gegnerin haben. Man sieht, schon iu der Gesetzgebung sind positive Ergebnisse unter Mitwirkung der Sozialdemokratie gar nicht ausgeschlosseu. Noch sicherer zu erwarten sind sie ans dem Gebiete der allgemeinen Staatsverwaltung, ans dem die politischen Gesichtspunkte doch sehr zurücktreten. Wir meinen aber, daß die Zeit gekommen sei, wo ein Staat von der Bedeutung Sachsens auch an die Lösung solcher Aufgaben herantreten sollte, bei denen sich die moderne Volkswirtschaftslehre bis zu einem gewissen Grade dem sozialistischen Programm genähert hat. Um nur eines zu nennen, könnte nicht iu der einen oder der andern unsrer hochentwickelten Staatsindustrien ein Versuch mit der Gewiunbeteiligung der Arbeiter geinacht werden? Die Regierung besitzt in ihrem Schoße für diese und ähnliche Fragen einige ausgezeichnete Kräfte, und man könnte gespannt sein, zu erfahren, wie sich sozialistische Landtagsabgeordnete hierzu stellen würden.
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Noch einmal der Kölner Juristentag. Daß der Beschluß des Kölner Jurisleutags zu dem Entwürfe des Gesetzes gegen die Trunksucht iu ganz Deutsch- land Aufsehen und bei allen erust denkenden Männern Befremden hervorrufen würde, war sofort bei seinem Bekanntwerden klar. Es hat aber doch auch manche mit den Verhältnissen vertraute gegeben, die nicht nur über dieseu Beschluß nicht erstaunt waren, sondern sogar mit ziemlicher Bestimmtheit vorher gesagt hatten, daß es so kommen würde.
Das Auseheu, das der deutsche Juristentag weithin genießt, ist, weuu man den wissenschaftlichen Wert eines großen Teils der für ihn ausgearbeiteten Gu! achten und der dabei gehaltenen Vorträge zu Grunde legt, gewiß wohlverdient, andrerseits aber ist unverkennbar, daß sich mehr uud mehr Elemente in ihm breit machen, denen es durchaus uicht um die Sache, souderu vor allem oder allein um ihre liebe, kleine Person nnd deren Glorie zu thun ist. Den Beschlüssen des Juristeutages aber wird keiner, der einmal einen Einblick in die Verhältnisse gethan hat (man kann uicht einmal sagen: hinter die Kulisse», den» die Verhältnisse liege» ganz llar z» Tage), irgend welche maßgebende Bedeutung beilegen.