184 Die sächsischen Landtagswahlen
Photographischen befangen, daß die Forderimg des Malerischen nicht eindringlich genug erhoben werden kann.
Treten wir dagegen in ein Haus der vergangnen Zeit — schon das Äußere mit seiner oft bizarren Vernachlässigung des Konventionellen, mit seinen ungeraden Fensterreihen, nicht regelrecht in der Mitte angebrachten Thüren, seinen Erkern und Altanen wirkt malerisch. Es spricht da etwas Individuelles, eine Persönlichkeit tritt nns entgegen, mit festem Raumgefühl, das Auge hat Nuhepunkte und doch kräftige Linien, es kann den Raum zergliedern, zerlegen, was beim Konventionellen, Schematischen, Photographischen nicht der Fall ist, und auf dieser Möglichkeit beruht eben das Malerische. Und nnn weiter die Treppe mit ihrer kräftigen perspektivischen Wirkung, ihrem harmonischen Gefüge, das den Raum erfüllt, ohne den Begriff des Raumes aufzuheben; ebenso die Zimmer, ebenso die Einrichtung. Das „Germanische Mnseum" iu Nürnberg hat Zimmer der verschiedensten Zeitabschnitte der Vergangenheit aufgestellt: ein Wohlbehagen überkommt uns in all diesen Räumen, weil der Geist des Malerischen in ihnen lebt und webt. Das, was an Raum aufzulösen war, ist aufgelöst, ohne den gesamten Raum zu verkümmern, im Gegenteil mit dem sichern Gefühl, den Raum erst recht als solchen erscheinen zu lassen. Und darin liegt eben das Raumgefühl, daß das, was den Raum erfüllt, in Harmonie zu diesem steht, Raum und Füllung eiuander hebeu und ergänzen; darin liegt auch die malerische Wirkung.
Das Raumgefühl, der Sinn für das Malerische ist abhanden gekommen. Die Mißstände der Kunst und des Kunstgewerbes erwachsen ans dem Photographischen. Will man sie heben, muß man zum Malerischen zurückkehren.
Die sächsischen Landtagswahlen
ei der kürzlich vorgenommenen Dritteilsernenerung der zweiten Ständekammer Sachsens ist es den Sozialdemokraten gelungen, ihre Stimmenzahl von 18280 ans 35650, die Zahl ihrer Vertreter von 8 auf 11 zu erhöhen. Damit haben sie die Berechtigung erworben, innerhalb der Kammer eine Fraktion zu bilden und selbständige Anträge zu stellen. Es ist nicht zu bezweifeln, daß sie von dieser Befugnis ausgiebig Gebrauch machen werden. Die Ordnungsparteien sind augenblicklich noch mit gegenseitigen erbitterten Erörterungen darüber beschäftigt, welche von ihnen für den Mißerfolg der Wahlen verant-