Beitrag 
Die letzten Unruhen in China
Seite
153
Einzelbild herunterladen
 

Die letzten Unruhen in China

Slmucchcn, Anfang September 1891 a sich die Chinesen trotz aller in den letzten Jahrzehnten von Enrvpa und Aulerikn aus geniachteu Bemühungen der abend­ländischen Kultur gegenüber uoch immer fast ganz ablehnend verhalten, so sollte man sich eigentlich darüber wundern, daß die in China ansässigen Ausländer nicht viel häufiger solchen Unruhen ausgesetzt siud, wie sie kurzlich in ziemlich ausgedehntem Maßstabe i» den am Vangtzekiang gelegenen Provinzen stattgefunden haben. Leben uud Eigentum der Ausländer in China erfreuen sich im allgemeinen großer Sicher­heit, uud selbst die zerstreut im Innern wohnenden Missionare der verschiednen christlichen Bekenntnisse konnten sich bis vor knrzem wenig über ernstliche Be­lästigungen beklagen.

Woher kommt es nun, daß sich die soust so friedfertigen Bewohner von Mittelchina letztes Frühjahr plötzlich gegeu die Missionen wandten und Dutzende von katholischen und protestantischen Kirchen und Kapellen nebst den Wohnhäusern der Missionare verbrannten? Während früher derartige gelegentliche Borfälle immer örtlich beschränkt blieben, war die Bewegung diesmal so weit verbreitet, daß von Anfang an der Gedanke an eine Oberleitung nicht von der Hand Au weisen war. Aber ob das Ziel der Bewegung nur gegen die Missionen als solche oder mittelbar gegen die Regierung in Peking gerichtet war, das ist eine Frage, die auch jetzt noch nicht mit voller Sicherheit beantwortet werden kaun. Denn es giebt wohl kaum noch ein Land, wo es so schwer wäre, wie in China, die wirklichen Gründe irgend eines Ereignisses zu erfahren. Allgemeines gegenseitiges Mißtrauen, großer Mangel an Wahrheitsliebe sowie mie gewisse Zweideutigkeit und Unbestimmtheit der ganzen Ausdrucksweise Grmzboten IV 1891 20